„Doch, Euch beliebt zu scherzen!” sprach er dringlich weiter,
„In enger Zelle ist gar dumpf die Luft.
Der Weihrauch riecht zwar gut, doch angenehmer
Beut sich im Frühling frischer Blümlein Duft;
Auch dächte ich, im Wald der Tannen Rauschen
Behagte mehr Euch, als der Orgel lauschen!”

„Und dann — was werden Eure Hör’gen dazu sagen,
So Noth und Elend Ihr nicht mehr, wie heut’,
Von ihnen wendet? Was des Dörfleins Kinder,
Wenn ihnen Niemand mehr ein Naschwerk beut?
Könnt Ihr noch Gutes thun und nützlich walten,
So feuchte Mauern Euch gefangen halten?”

„Nein, Elsbeth! Ihr müßt eines Mannes Gattin werden,
Sein bester Freund ihm sein in Sorg und Noth;
Sein harsches Wort durch Eure Güte mildern,
Ein Schutz und Trost, so Elend ihn bedroht;
Im Glück den Uebermuth ihm ferne halten,
Als guter Geist zu seinen Häupten walten!”

„Glaubt einem Freunde — jener Mann ist zu beneiden,
Dem Euer Herze nur ein wenig hold;
Er findet seinen Himmel schon auf Erden,
Gewähret Ihr ihm süßer Minne Sold.
Nun, Elsbeth, sprechet! Sagt es mir ganz offen,
Habt wirklich Ihr die Wahl schon gültig troffen?”

Sein heißes Herz nicht mehr bemeisternd, bog Herr Kuonrad
Sich nun zu Elsbeth und nahm ihre Hand
In seine Rechte, die sie jedoch zitternd
Im nächsten Augenblicke ihm entwand.
’s war gut, daß hinter dichten Fichtenzweigen,
Der Mond sich barg; er half der Maid jetzt schweigen.

In ihrem Herzen freilich rief’s in hellem Jubel:
„Er liebt mich!” und der frische, rothe Mund
Möcht’ freudig es in alle Lüfte jauchzen,
Es künden laut dem ganzen Erdenrund,
Daß es erklänge, als ein Lied der Lieder:
„Er liebt Dich und Du Sel’ge liebst ihn wieder!”

Doch leider schwieg gar bald des Herzens Jubiliren;
Es faßte sie ein schneidig, bitter Weh,
Das einem Lenzfrost gleich sie kalt durchschauert’,
Mit jähem Tod bedroht den Blüthenschnee,
Als Elsbeth dachte, was der Vater sage,
Wenn irdisch Glück sie zu erhoffen wage. —

Vor Kurzem noch war es ihr schönster Traum gewesen,
Vereinigt mit den Schwestern im Gebet
In stiller Klause, von der Welt geschieden,
Um Glück zu flehen, das kein Sturm verweht;
Es hatte oft ihr Herz in solchen Stunden
Schon hier des Himmels Seligkeit empfunden.

Und nun? Wie vor der Sonne Kuß der Rauhreif schwindet,
Schwand vor Herr Kuonrads Worten hin der Traum;
In wenig Wochen war das Kräutlein Minne
Ihr aufgeblüht zum schönsten Maienbaum.
Ja, wo die Liebe naht, muß alles weichen,
Wie vor des Tages Licht die Sternlein bleichen.

Seltsame Maid? Als Antwort auf des Freundes Frage,
Stahl aus den Augen sich ein Thränlein heiß.
War dessen Quelle die Entsagung, oder
Erblinkte es, weil sie sich glücklich weiß?
Wie kommt es, daß der Seele Freuden, Leiden,
Wenn sie am höchsten sind, das Wort vermeiden? —