In tiefem Schweigen ritten Beide bis zur Höhe.
Des Mondes Licht, es flutete um sie;
In blauer Dämmerferne lag, wie Silber,
Der weiße Alpenkranz in hehrer Harmonie,
Und leise nur, fast kaum noch zu erlauschen,
Scholl fernher durch die Nacht des Rheinfalls Rauschen.

Noch wenig Schritte und es hob sich schon der Bergfried,
Vom Mond beleuchtet aus der Nacht empor.
Durch Buschwerk schimmerten des Schlosses Mauern
Aus dunkler Blätterwirrniß hell hervor.
Doch, eh’ sich Thor und Brücke mochten zeigen,
Blieb noch ein letztes Stück bergan zu steigen.

Da, seine Frage ihr erneuernd, faßte leise
Herr Kuonrad Elsbeth wieder bei der Hand
Und blickte spähend in der Holden Antlitz,
Ob da die Antwort nicht zu lesen stand.
Statt solcher sah er nur ein schnell Erröthen,
Das ihm verrieth, wie sehr ihr Herz in Nöthen.

„Ihr zaudert, Elsbeth?” klang es weich von seinen Lippen,
„Ja, wer die Wahl hat, der hat auch die Qual!
Nun denn, es sei die Antwort Euch erlassen,
Bis Ihr die selbst mir sagt aus freier Wahl.
Doch, daß wir Beide dieses Tages denken,
Erlaubet mir, Euch diesen Ring zu schenken!”

Vor Elsbeths Blicken glänzte hell ein gülden Reiflein
Im Mondschein, das der Junker kühnlich nun
Auf einen ihrer schlanken Finger streifte,
Die warm und weich in seiner Linken ruhn;
Dann ließ der Glückliche die Hand entgleiten
Und trieb den Rappen schneller auszuschreiten.

Aus ihrem Sinnen aufgeschreckt und gluthbegossen,
Da solcher Ueberraschung sie nicht dacht’,
Griff Elsbeth aber jetzt nach ihrem Kettlein,
Und hatte dran das Schaustück losgemacht.
Es war ein Münzlein, gülden und gar selten,
Mit ihm will sie Herrn Kuonrad nun vergelten.

„Soll ich das Ringlein werth behalten,” sprach sie flüsternd,
„So dürft Ihr es nicht weigern, auch ein Stück
Von meinem kleinen Reichthum zu empfangen;
Es ist geweiht und bringt dem Träger Glück.
Des Tages aber will ich bas gedenken
Und billig meine Frage Euch nun schenken!”

So sprechend, bot sie fröhlich ihr Geschenk dem Junker,
Der, ohne sich zu sperren, es auch nahm
Und lächelnd nun versprach, es stets zu tragen,
Gedenkend der, von welcher es ihm kam.
Er wollte noch mehr sprechen, doch da sahen
Sie ihnen eilig sich Mechtildis nahen. — —

Das Mädchen hatte sich den Beiden kaum genähert,
Als schon sie, aufschluchzend, der Herrin klagt’,
Daß Hansli halb todt in der Halle liege,
Von seinem Flugversuch, den er gewagt.
Im Busch der Halde habe sie ihn funden,
Und sei der Aermste jämmerlich zerschunden.

Da schien’s, als ob auch Elsbeths Zelter stiegen sollte,
So rasch ging es des Schlosses Brücke zu;
Schon dröhnten unter ihm die schweren Bohlen
Und war die Herrin dann bei Hans im Nu.
Mechtildis hatte ihr ja nie verschwiegen,
Daß Hansli damit umging mal zu fliegen.