Nun waltete das Fräulein an des Kranken Lager
Und ordnete, was für das Knechtlein gut;
Doch war, zu seinem Glück, ihm nichts gebrochen.
Die Herrin spendete ihm also Muth
Und stillte, milde tröstend, seinen Jammer,
Eh’, selber müd, sie suchte ihre Kammer. —

Herr Kuonrad ritt im Schritt vollends zum Schlosse fürder
Und lauschte dabei auf der Magd Bericht:
Daß Hansli, unter beiden Armen Wannen,
Wie man in Schleitheim sie seit langem flicht
Und er als Flügel nutzen wollt’ beim Fliegen,
Um Vesperzeit den Bergfried hätt’ erstiegen.

„Das Fliegen wär’ gelungen,” sprach Mechtildis weinend,
Wenn er gewartet bis der Vogel Specht
Ihm eine Springwurz schaffte; ohne solche
Gedeiht so wäges Thun dem Menschen schlecht.
Er stürzte darum, trotz den beiden Wannen,
Kopfüber, grad hinunter in die Tannen.

Dann fing das arme Mägdlein wieder an zu schluchzen,
Daß es erbarmen konnte einen Stein;
Hielt aber Schritt doch mit des Junkers Rappen,
Um ihrem Schatz nicht lange fern zu sein. —
Nun liegen Thor und Zingeln hinter beiden,
Im Mondschein ruhen Felder, Wald und Waiden.

Fünftes Kapitel.

Novembermonat hat die Herrschaft übernommen;
In weiße Decken hüllt er Berg und Thal,
Vom Sturm gerüttelt stehen Busch und Bäume,
Des Blätterschmuckes ledig, nackt und kahl.
Was nun nicht Nadeln trägt im Waldreviere
Muß schlafen gehn, damit es nicht erfriere.

Grün Tanngezweig hängt, von des Schneees Last gebogen,
Herunter dort aus den Wachholderstrauch,
Der, übersäet mit blauen Beerlein, pranget,
Regiert der Winter auch mit strengem Brauch;
Indessen rothe Mehl- und Vogelbeeren
Sich ganz umsonst des frühen Todes wehren.

Auf kahlem Zweig sich duckend, zirpt ein Vöglein leise
Und wundert sich, vom Schneemann überrascht,
Daß sein gedecktes Tischchen ausgeblieben,
An dem es gestern noch so frei genascht.
Nun muß es hurtig sich beim Mahle eilen
Und die paar Beerlein mit gar vielen theilen.