Vom bösen Hunger aus dem warmen Nest getrieben,
Das Häslein sich gescharrt am Fichtenbaum,
Hüpft es in Sprüngen, ohne viel zu äugen,
Den Schnee hindurch zum nahen Waldessaum;
Dort grünt ein Saatfeld, nicht zu tief vergraben,
Deß’ zarte Keime es gar köstlich laben.
Auf seinem Pfad stößt Langohr auf die frischen Spuren
Von Seinesgleichen, in den Schnee gedrückt;
Das läßt ihn hoffen, daß nach leckrem Mahle,
Am Ende auch ein muntres Tänzchen glückt,
Denn Lampe hat ein warmes Herz zu Zeiten —
Und läßt sich dann zum Uebermuth verleiten.
In weitem Zickzack schleicht Freund Reinecke nach Hause.
Sein Bäuchlein hat im Thale er gefüllt,
Nun zieht’s ihn bergwärts zum versteckten Baue,
Um dort, in seinen Winterpelz gehüllt,
Den kurzen Tag in Ruhe zu verträumen,
Falls nichts ihn zwingt, sein sicher Heim zu räumen.
Im Matzenthale drüben ziehen Hirsch’ und Rehe,
Für ein paar Stunden satt, sich scheu zurück;
Sie kreuzen auf dem Hornspitz ihre Fährte
Mit manchem waidgerechten Schwarzwildstück.
An schlanken Stämmen hört man Spechte hämmern
Und fern im Osten fängt es an zu dämmern.
Im klaren Aether scheint der Alpenkranz so nahe,
Als trennte nur die Breite einer Hand;
Die weißen Häupter werfen scharfe Schatten,
In tiefer Bläue stehen Schrund und Wand.
Schon wogt in Gluthen und in goldnen Blitzen
Das Morgenroth um eisverhüllte Spitzen.
Aus Purpurschleiern hebt sich säumig nun die Sonne,
Als goldner Ball beginnend ihren Lauf;
Die wen’gen Strahlen, so sie heut’ begleiten,
Sie schossen vor ihr schon am Himmel auf,
Beleuchten rosenfarb des Schlosses Fronte,
Indeß’ sie selbst noch tief am Horizonte.
Doch weh! Die goldnen Gluthen, sie verblassen wieder;
Gleich Schleiern sinkt es um der Berge Haupt,
Der Wolken zart Geweb’ wird mälig dichter,
So daß sein Grau dem Blick die Fernsicht raubt.
Schon ist auch von der Sonn’ nichts mehr zu sehen,
Vom Randen her zieht scharf des Nordwinds Wehen.
Da, horch! Es tönt vom niedern Hungerberg herüber
Ein hell Halali! durch die Morgenluft,
Dem bald, als ob es drauf gewartet hätte,
Vom Thurm des Wärtels Horn die Antwort ruft;
Dann poltert Hufschlag auf der Brücke Bohlen
Und „Waidmanns Heil!” hört man vom Bergfried johlen. —
Es war Herr Kuonrad und der Vogt, die hoch zu Rosse,
Begleitet von des Schlosses Jägertroß,
In’s nahe Matzenthal hinüber ritten,
Wo Küssaberg das Wildbannrecht genoß.
Statt Hansli, der noch lahmte, führte heute
Der dicke Kunz der Rüden laute Meute.
Wie oft schon, so auch kürzlich wieder, lud die Nachbarn
Von Wasserstelz der Vogt zur hohen Jagd,
Vereinigt wollten sie am Tage pirschen
Und dann probiren, wie der „Neu” behagt,
Mit dem Herr Heinz, nach stattgehabtem Hetzen,
Die Freunde dachte gastlich zu ergötzen.