Der Freiherr und sein Sprößling Udo, sie versprachens.
Nun mußte Jochen dran, nach Waidmannsbrauch,
Im Walde einen „Hirzen” zu bestät’gen;
Da gestern dies gelang dem schlauen Gauch,
So ließ noch spät der Vogt den Herrn berichten,
Sie möchten sich für heut’ auf’s Jagen richten.
Im jungen Schlage drüben, bei den sieben Wegen,
Soll man sich treffen, war es abgemacht.
Nun sind die Gäste angelangt und harren
Bei einem Feuer, das sie flink entfacht,
Des Freundes, während Udo’s Jägersegen
Ihm schon von weitem hallte froh entgegen.
Und nun — ei sieh! Herr Kuonrad wollte sich’s kaum glauben,
Als auch er Adelgunden da erblickt’,
Die hoch zu Roß, doch ohne Jagdgewaffen,
Erröthend ihm und fast vertraulich nickt’
Und vorgab, daß kein lustiger Ergetzen
Sie kenne, als des Waldes Wild zu hetzen.
Ein kurzer Gruß und fort gings, nach des Leithunds Führung,
Waldeinwärts bald auf tiefverschneitem Weg,
Der, nicht gar lang, zum Matzenthal sie brachte,
Da Jochens „Hirz” im dichtesten Geheg
Ein stilles Ruheplätzchen auserlesen,
Wo er sich niederthat nach jedem Aesen.
Von Jochen gestern schon geknickte Zweige weisen
Den Pfad dem Schlauen zu des Thieres Stand,
Nun auch der Wind ihm glücklich abgewonnen,
Giebt er dem Kunz ein Zeichen mit der Hand;
Der löst die Koppel frei, die Rüden rasen
Dem Dickicht zu mit tief gesenkten Nasen.
Nun, zierlich Rehlein, auf! und Du, Freund Lampe, ducke
Dich tief in’s Nestlein unterm lockern Schnee!
Mit Windeseile nahen sich die Feinde,
Und Spieß und Armbrust bringen Tod und Weh;
Gilt’s auch dem „Achtzehnender” heut’, dem Stolzen,
Gar leicht verirren sich des Waidmanns Bolzen!
Durch Wald und Buschwerk stürmt es hin in wildem Jagen,
Der Hirsch voran in unentwegtem Muth;
Laut schallt es Hussa! Hallo! Holla! Heda!
Wo eben noch die Stille selbst geruht.
Die Meute bellt, es hallt der Jäger Rufen,
Der Boden bebt fast unter Rosses Hufen.
In weiten Sprüngen geht es über Wurzeln, Gräben,
Dem Flüchtling nach, wie eilig der mocht’ fliehn,
Und mit den Jägern hetzt auch Adelgunde,
Dem Junker stets zur Seite bleibend, hin.
Was treibt die Maid solch’ kühnen Ritt zu wagen,
Im Fluge durch des Waldes Dickicht jagen?
Ja, wer der Frauen Herze ganz durchschauen könnte
Mit klarem Blicke bis zum tiefsten Grund,
Den Pfaden folgen, die zur Seele führen,
Dem würde darauf jetzt die Antwort kund
Und damit auch die große Kunst gelungen,
Von der bis heute manches Lied erklungen. —
Die Beiden sausen fort auf schaumbedeckten Rossen,
Daß Adelgundens Kleid im Winde weht;
Dem Junker mangelt Will’ und Weil’ zum Sprechen,
Doch dafür denkt er an Elisabeth,
Und wie auch jene immer mag beginnen,
Er muß sich jedes Mal auf’s Wort besinnen.