Zum Himmel schier sah man zwei graue Thürme ragen,
In deren Fenstern Laden anstatt Glas,
— Die tiefen Nischen sind noch jetzt zu schauen,
Wenn überwuchert auch von Strauch und Gras, —
Den Thürmen seitwärts stand ein Mägdegaden,
Das Bretterdach mit Steinen schwer beladen.

Aus Römer Fundament erhob sich stolz der Bergfried,
Wie üblich seines Herren Wohngemach
In sichrer Höhe bergend, von wo weiter
Der Wendeltreppe leichtes Holzgefach
Zur Laube führte, die den Thurm umspannte,
Da sich des Wärtels Blick zum „Auslueg” wandte.

Im Erdgeschoß’ zunächst dem Thurme lag die Halle,
Ein rauchgeschwärzter Raum mit Tisch und Bank,
In welcher fahrendem Gesind zuweilen
Man Obdach bot und Speis’ und Trank.
Ein dunkler Gang von nur zwei Schritten Breite,
Schied ab die Herdstatt von des Palas Seite.

Rechts vorne, nah dem Bergfried, war der Rad-Ziehbrunnen
Viel hundert Fuß im Berge abgeteuft;
Es heißt vom Brunnen, daß sein Wasserspiegel
Im gleichen Strich mit dem des Rheines läuft.
Die Schloßkapelle, um auch sie zu nennen,
Stand dicht daneben, leichtlich zu erkennen.

Des Weitern gab es dann noch Raum für Troß und Rosse;
Denn wo die Zingeln an das Thor gelehnt,
Den Weg verengen läßt zu beiden Seiten,
War, bei der Schmiede, stattlich ausgedehnt,
Der Stall und die Gelasse für die Leute,
Ein Falkenhaus und eines für die Meute.

So sah des Geistes Aug’ den alten Schloßbau ragen.
Er liegt gebrochen, Niemand kennt ihn mehr,
Graf Rudolf, aus dem Hause Sulz, verbaute
Im Bauernkriege ihn zu Schutz und Wehr;
Doch, auch des Grafen Arbeit liegt in Trümmern,
Mag sich kein Mensch viel um die Steine kümmern! — —

Als auf der andern Seite jetzt die Brücke fest lag
Da nahte ihr gemach ein junger Mann,
Dem auf dem Fuß ein müdes Rößlein folgte,
Das langsam fürbas seine Schritte spann.
Man sah, es konnten beide, Roß und Reiter,
Vor Müdigkeit und Hitze kaum mehr weiter.

In seiner Rechten hielt der Fremde das Barettlein,
Mit welchem er im Gehen sich den Schweiß
Wohl ab und zu von nasser Stirne wischte,
Denn heute schien die Sonne gar so heiß;
Sie mußte ja im Thal die Trauben kochen,
Sonst hätt’s Freund Bachus übel ihr gerochen.

Ein feines Handgewaffen, drauf die Linke ruhte,
Noch mehr der Kleidung modig feiner Schnitt,
Verriethen leicht den adeligen Herren,
Der rasten wollt’ nach einem weiten Ritt.
Ein Mantelsäcklein, auf des Rosses Rücken,
Schien wenig nur das Thierlein zu bedrücken.

Die Brücke überschreitend, sah alsbald der Fremde
Am Thore harrend etlich’ Knechte stehn,
Die, als er näher kam, ihn freundlich grüßten.
Doch er verlangte kurz den Vogt zu sehn,
Und nun ihm Antwort ward, der Herr sei droben,
Begehrt’ er ihn zu sprechen unverschoben.