Nach Zaum und Zügel fassend, hatten schon die Knechte
Vom Roß das Mantelsäcklein losgeschnallt,
Als hoch vom Bergfried, laut den Einzug meldend,
Ein rauher Hornruf durch die Lüfte hallt’.
Der Wärtel hatte wieder sanft geschlafen,
Bis Lärm und Hufschall seine Ohren trafen.

Doch dafür machte jetzt sein Ruf im Schlosse Leben.
Aus kurzer Mittagsruhe aufgejagt
Fuhr unwirsch das Gesinde vor die Thüren.
Erst Kunz, dann Jochen und die Obermagd;
Dem ersteren, er mußte flink sich rühren,
Gebot sein Amt, die Gäste einzuführen. —

Des Schlosses Vogt, Herr Heinz von Küssaberg, vom Horne
Aus süßem Mittagsschläfchen aufgeweckt,
War kaum vordem im Lehnstuhl eingeschlummert.
Er sah im Traum den Berg mit Korn bedeckt,
Sah Zehentgarben seine Bauern bringen;
Doch sie zu zählen, wollt’ ihm nicht gelingen.

Auf einem Tisch aus Maserholz und Schieferplatte,
Bemerkte man von ungeübter Hand
Mit Kreide große Zahlen aufgeschrieben,
Auf deren Werth sich bloß Herr Heinz verstand.
Noch lag die Kreide, müder Hand entsunken,
Bei einem Humpen, der halb ausgetrunken.

Ein Glas, mit eingeschliffnen Buckeln, stand daneben,
Zur Hälfte noch gefüllt mit Rebensaft,
Wie ihn der Hör’ge und ein guter Jahrgang
Dem Vogte in des Schlosses Keller schafft;
Leicht schillernd, etwas herbe in der Jugend,
Kommt erst auf Lager ihm die rechte Tugend.

Die Täfelei des Zimmers, das der Vogt bewohnte,
War braun gefärbt vom Alter und vom Rauch.
An breiter Wand hing blinkendes Gewaffen,
Auch Harnisch, Helm und Sporen, wie es Brauch;
In einer Ecke sah man Füße prangen
Von einem Bette, das jedoch verhangen.

Ein grüner Kachelofen nahm von dem Gemache
Die andre Seite fast zur Hälfte ein
Und mocht’ die Eichenbank, so ihn umschränkte,
Zur Winterzeit ein warmes Plätzlein sein;
Denn „Greif” und „Pfeil”, des Vogtes Lieblingshunde,
Verschnarchten unter ihr gar manche Stunde.

Verbleite Fensterscheiben, in zwei tiefen Nischen,
Gewährten dem Gemach ein spärlich Licht,
Ein Strahl des letztren traf ein Frauenbildchen
Mit gutgemaltem, lieblichem Gesicht.
Zu nennen sind auch noch zwei schwere Truhen,
In denen wohl des Hausherrn Schätze ruhen. —

Um seinen Schlaf gekommen, rieb Herr Heinz die Augen
Und stemmte dann die Hände auf den Tisch,
Sich gähnend aus dem Lederkulter hebend.
Nun er so da stand, seine Wangen frisch
Geröthet und noch dichten, blonden Haaren,
War’s schwer zu sagen, wie hoch er in Jahren.

Aus edlem Antlitz blickten helle, blaue Augen,
In denen Schalkheit sich mit Güte paart’.
Die Wangen, wie das runde Kinn verzierte
Ein nicht zu starker, blonder Zwickelbart,
In welchem sich, bei näherem Betrachten,
Zwei graue Strähne leicht bemerklich machten. —