Das Glas erfassend, wollte just der Vogt Eins trinken,
Als Kunz die Thüre sich zu öffnen traut’,
In seiner Meldung jedoch unterbrochen wurde,
Denn wie aus einem Munde klang es laut:
„Seid mir Willkommen, Junker! Gottwillkommen!”
„„Mein Gruß, Herr Heinz! Der Willkomm soll uns frommen!...””

Es war der Fremde und der Vogt, die so sich grüßten,
Indessen Kunz, der wußte, was sich schickt’,
Die Siedeln zurecht stellte; doch sich drückte,
Als er bemerkte, daß sein Herr ihm nickt’
Das Zimmer, ohne weiteres versäumen,
Mit seiner Gegenwart nun flink zu räumen.

Als hinter Kunzen sich die Thür’ geschlossen hatte,
Zog selbst der Junker eine Fensterbank
Des Vogtes Lehnstuhl nah und ließ sich nieder,
Derweil Herr Heinz ihm, für den Willkommtrank,
Ein Gläslein vom Gesims herunter langte,
Vor dessen Größe heute manchem bangte.

Dem Junker freilich, schien es nicht zu imponiren,
Denn als der Vogt, sein Glas erfassend, sprach:
„Gestattet mir, Euch einen Trunk zu bringen!”
Kam ihm der Gast mit Freuden sofort nach
Und that, den Wunsch des alten Freunds zu ehren,
Das Glas bis auf die Nagelprobe leeren.

Doch, als Herr Heinz die Gläser wieder füllen wollte,
Litt dies der Junker nicht; er meinte fein:
„Laßt mich erzählen, warum ich gekommen,
Es giebt wohl nachher Zeit und Weil zum Wein!”
Das schien nun auch dem Hausherrn zu behagen,
War damals noch nicht Sitte, viel zu fragen. —

„Als wir im letzten Frühjahr uns in Kostniz trafen,” —
Hob frisch der Junker an, „bei Eurem Herrn,
Dem Bischof, habet Ihr mich eingeladen,
Und ich gab wahrlich Euch die Zusag’ gern;
Daß jedoch so schnell ich mein Wort kunnt’ halten,
Verdanken wir des Bischofs klugem Walten.”

„Ihr wisset ja, als Bischof sorgt der Ohm sich weidlich
Daß Frieden werde zwischen Papst und Reich;
Doch da ist schwer zu rathen, schwer zu helfen,
Wo beide Parten scheuen den Vergleich, —
Wird dabei gar ein fürschnell Wort gesprochen,
Ist flugs der Zwist von Neuem ausgebrochen.”

„Ihr wisset, wie ich denke kommt’s mir auch vom Munde.
Zwar schafft’ ich dadurch mir so manchen Span,
Dem besser aus dem Weg ich blieben wäre,
Hätt’ ich der Zungen nicht den Lauf gela’n.
Ja, klug ist’s schon zur rechten Zeit zu schweigen,
Möcht’ nur die Unzeit sich im Voraus zeigen!

„So ging es neulich mir bei jenem Urtelspruche,
Den im Konzil sie über Huß gefällt.
Es war dem Manne frei Geleit versprochen;
Doch, wie man Oben das Versprechen hält,
Mag nun der Böhmenrektor bas erkennen;
Sie werden ihn, trotz frei Geleit, verbrennen!”

„An eines Königs Wort läßt sich nicht drehn noch deuteln,
So dachte ich in gradem, biedrem Sinn;
Drum konnt’ den Wortbruch ich nicht ruhig nehmen
Und, offenherzig, wie ich einmal bin,
Bekannt’ ich ehrlich, was ich drüber dachte,
Weil Sigismund sein Wort so wenig achte.”