„Mein Sprechen kam ihm denn auch bald genug zu Ohren,
Schon nächsten Tages, vor dem Mittagsmahl,
Ließ hart er an den Bischof meinetwegen
Und schrie, man hörte es im ganzen Saal.
Der König war gekränkt, nicht abzusehen,
Ob mir der Ohm Verzeihung mocht’ erflehen!”

„In seiner Angst schickte der Ohm mir einen Schreiber
Und ließ mich wissen durch des Treuen Mund:
Ich möchte Euch besuchen und im Schlosse
Verbleiben, bis von ihm mir wieder Kund’
Gesendet werde, was er noch beschlossen,
Und ob der König mein noch denkt verdrossen.”

„So ritt ich denn am Rhein hinunter bis Schaffhausen,
Wo mich der Rheinfall eine Weil’ gestellt. —
Ist das ein Donnern, Durcheinanderstürmen
Von grünen Fluthen, die der Sturz zerschellt!
Hei, wie die Strudel silbern schäumend blitzten
Und hoch den Gischt zum blauen Himmel spritzten!”

„Als ich mich von dem Anblick endlich trennen konnte,
Gings noch bis Kaiserstuhl den Fluß entlang.
Von dort hat mich ein Büblein durch die Wälder
Bergaus, bergab geführt zum Schloßberghang.
Den Weg durch’s Kletgau hab’ ich fein gemieden,
Weil ich vom Hof nicht schied mit Königs Frieden.”

„Mein Roß und ich — wir haben wacker ausgehalten,
Bis heute früh wir Euer festes Haus
Hier oben, schier den Wolken nah, erblickten.
Da schien’s mit meines Thierlein’s Kräften aus;
Doch war’s nun nicht mehr nöthig, sich zu hasten,
Ließ drum beim „Wirth am Berg” zu Küßnach rasten.”

„Wir hätten wohl noch länger dort der Ruh’ gepflogen,
Hätt’ mir geschwant, daß hier heraus der Pfad
Sich steil bergan zieht und kaum Schatten bietet.
So gab’s für Mann und Roß ein heißes Bad!
Nun aber — saget mir ganz unumwunden,
Hat der Verbannte einen Freund gesunden .... ?”

Da goß Herr Heinz aus seinem Humpen rasch die Gläser
Bis hoch zum Rande voll mit klarem Wein
Und sprach, sein Glas erhebend, freundlich schmunzelnd:
„Von Herzen heiß’ ich Euch Willkommen mein,
Weil Ihr gesprochen, wo so Viele schwiegen;
Ein Königswort darf man nicht drehn noch biegen!”

Hell klangen nun die beiden Gläser aneinander
Und Wirth und Gast sie zeigten guten Zug.
Zum Danke bot der Junker seine Rechte
Dem Vogt, darein der mit den Worten schlug:
„Ein Mann — ein Wort heißt es in deutschen Landen,
Wird leider allzuwenig nur verstanden!”

„Traun!” fuhr er launig fort, „was wir hier bieten können,
Das soll Euch stets und gern zu Diensten stehn.
So lange Ihr auf Küssaberg verweilet,
Wöll’n wir in Treuen mit Euch stehn und gehn! —
Nur müsset Ihr dem Freunde auch versprechen,
Den Frieden hier in keiner Weis’ zu brechen.”

„Noch jung, rollt Euch das Blut viel wärmer in den Adern,
Als unsereinem, da heißt’s langsam ’than!
Laßt Euch drum warnen: unser Heer, der Kaplan,
Kann heftig werden, wie ein wälscher Hahn.
Er liebt es manchmal, tapfern Trunk zu üben
Und ist dann leichtlich sein Humor zu trüben.”