„Es würde mir den Herrn aus Rand und Band schier bringen,
So es der Zufall fügte, daß Ihr stört,
Wenn er ein Glas getrunken, ihn mit Fragen,
Wie man im Gau jetzt allzuviel sie hört;
Doch lasset Ihr die Kirche aus dem Spiele,
Ist unser Heer gemüthlich, wie so Viele!”
„Will aber ab und zu Euch lange Weile quälen,
Wie solche wohl mal junge Herren plagt,
So stehen rings Euch Forst und Felder offen;
Zum Schloß gehören hoch und niedre Jagd.
Erlaubt’s die Zeit, so mag ich Euch begleiten,
War je schon meine Lust, im Tann’ zu reiten.”
„Kann ich nicht mit, so haltet Euch an Kunz und Jochen,
Die wissen mit dem Waidwerk bas Bescheid;
Auch ist die Meute gut und Spieß und Armbrust
Stets hergerichtet für ein scharf Gejaid.
Nur, daß im Herbst wir nicht des Brods entrathen,
Verschonet mir im Thal die jungen Saaten!”
„Auch möget Ihr mich hie und da zu Thal begleiten.
Sie halten dort nun bald ihr alt Gericht,
Allwo der Bauer seit Urväter Tagen
Im Mai- und Herbstgeding selbst Rechtens spricht;
Manch seltsam Sprüchlein lernet da Ihr kennen
Und, wie nur schwer wir uns vom Alten trennen.”
„Sonst aber dürft Ihr weiter nicht auf Kurzweil zählen;
Es sind der Mannen eben nicht zu viel
Hier oben und, besonders jetzt im Sommer,
Nur selten Tage für ein müßig Spiel.
Im Winter freilich, sind wir desto freier,
Und giebt es Zeit für Karten, Wein und Leier.”
„Doch wozu schwatz’ ich lange!” unterbrach er selbst sich,
„Ihr sehnet Euch nach traulichem Gemach,
Derweil ich plaud’re. Gleich soll Euch dies werden;
Nehmt vorlieb nur mit dem gebot’nen Dach.
Für’s erste, denk’ ich, wird es Euch erquicken,
So Ihr durch Kunzen läßt ein Bad beschicken!”
Mit diesen Worten war der Vogt zur Thür’ gegangen,
Vor welcher Kunz schon dienstbereit geharrt,
Und rief, sie öffnend, laut den Knecht beim Namen,
Dem, als er eintrat, nun die Weisung ward:
Den Gast ins fürnehmste Gemach zu bringen
Und selbst zu Dienst ihm stehn in allen Dingen.
Noch, während Kunz sich etwas ungeschickt verbeugte,
Besiegelte ein derber Druck der Hand
Daß Wirth und Gastfreund sich verstanden hatten
Und warme Freundschaft beider Herzen band.
Dann folgte Letztrer seinem Knappen rüstig,
Nach Bad und Ruhe nunmehr selbst gelüstig.
Bedächtig leerte noch der Vogt den Rest im Humpen,
Als es ihm einfiel, nach dem Thurm zu gehn,
In welchem Elsbeth, seine Tochter, weilte.
Er hatte sie seit Mittag nicht gesehn;
Ihr muß er sagen, daß ein Freund gekommen,
Soll, wie er’s wünschte, dem die Herberg frommen.
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