Elisabeth! Die Feder will der Hand entsinken,
Nun auch sie zeichnen soll Dein holdes Bild.
Fast bang’ ich, daß, nach so viel langen Jahren,
Erinn’rung treu behielt dein Wesen mild,
Und doch scheint mir, gleich lichtem Stern, zu winken
Aus Deinen Augen: laß’ den Muth nicht sinken!

So sei es denn! Vor meinem Blick erstehst Du wieder.
Ich seh’ im blauen Linnenkleid Dich gehn,
Aus dessen aufgeschlitzten, puff’gen Aermeln,
Das weiße „Pfeitlein” liebt’ hervor zu sehn;
Den Seidengürtel trägst Du ungezwungen
Und lose um den schlanken Leib geschlungen.

Du blickst mich wieder an mit Deinen Kinderaugen,
Ein schöner Blau sah ich am Himmel nicht;
Des Haares goldne Wellen schau ich wieder,
Wie noch es ungern sich zusammenflicht.
Dein fröhlich Lied, ich hör’s im Herzen klingen,
Gleich ferner Sonntagglocken hellem Singen.

Aus Deinem Antlitz ruht der Seele süßer Friede;
Der Wangen Grüblein zeigen noch den Kuß
Mit dem Dich, segnend, einst ein Engel weihte,
Als Dir er bot des Daseins ersten Gruß.
Dein lieblich Lächeln, heut’ noch kann ich’s schauen,
Ein lichter Sonnenstrahl im Maienthauen!

Am schmalen Gürtel dort, Dein braunes Ledertäschchen,
Noch hält es Nachbarschaft dem Schlüsselbund.
Sie deuten beide, daß auf Deinen Schultern
Der Hausfrau Pflichten ruhen alle Stund’;
Wem Speis’ und Trank gebricht, dem wirst Du spenden;
Der Kranke darf sich trostlich an Dich wenden.

In milder Weise waltest Du im Haus und Hofe
Seit Deiner lieben Mutter frühem Tod;
Des Vaters Stolz bist Du emporgeblühet,
Verscheuchend ihm einsamer Tage Noth. —
Halb Kind, halb Jungfrau, eine Frühlingsblume!
Elisabeth, was sag’ ich noch zu Deinem Ruhme? —

Zweites Kapitel.

Vom Morgenroth sind überfluthet Thal und Höhen.
Aus jedem Hüttlein wirbelt blauer Rauch
Zum Himmel auf, gleich wie von Opferflammen;
Demantenhell blitzt es in Busch und Strauch,
Und durch ein Meer von goldnem Lichte schwimmen
Der Morgenglocken laute Weckerstimmen.