Auf reichen Linnenschatz, von eigner Hand geäufnet,
Hielt damals, wie noch jetzt, die deutsche Frau,
Und was ihr Fleiß in langen Jahren mehrte,
Sie stellt es gerne fremdem Blick zur Schau;
Es zeugen ja die schweren, vollen Truhen,
Wie wenig nur der Hausfrau Hände ruhen. —
Zufriednen Blickes legte sie das Ausgewählte
Zu gleichen Theilen auf die Betten hin;
Mechtildis sollte alles fertig finden,
Wenn Abends sie die mußte überziehn.
Denn vorher brauchte das nicht zu geschehen,
Da sicher spät die Herrn zur Ruhe gehen.
Zu Ende damit, rieb sie die erstarrten Finger,
Vom Froste rosig überhaucht zu schaun;
Denn eisig zog es durch die offnen Fenster,
Und den Kamin — vergaßen sie beim Bau’n,
Lag man nur erst mal zwischen all’ den Kissen,
Ließ ja der letztere sich leichtlich missen.
Der Kälte trotzend schaute Elsbeth aus dem Fenster
Und lauschte, ob sich nicht der Hifte Klang
Vernehmen lasse; es blieb jedoch stille.
Der Nebel wogte um des Schloßbergs Hang;
Wie gerne nähme sie, den Freund zur Seite,
Am Jagen theil, auf flinkem Pferde heute!
Zwar hatte sie die Lust am Waidwerke verloren,
Als eines Hirschen traurig-sanfter Blick
Im Tode sie noch ansah, gleichsam klagend,
Ob dem erlittnen, schmerzlichen Geschick;
Nun fand mit einem Mal sie dran Gefallen,
Im Tann zu reiten, bei des Hifthorns Schallen.
Sie kam sich überhaupt so anders vor, es füllte
Die Seele ihr, wie Paradieses Lust,
Seit jenem Heimritt vom Sankt Vrenenfeste;
Im Sang entstieg der jugendlichen Brust,
Was süß sie ahnte, Lieb und Herzensfrieden,
Die ihrem Innern herrlich nun beschieden.
Von früh bis spät ertönte oft ihr herzig Lachen,
Es schimmerte des Frohsinns holder Schein
Um alle, die in ihrer Nähe weilten;
Doch ihr Geheimniß hielt sie fein allein.
Sie fühlte heißer es im Herzen glühen,
Je mehr sich Aug’ und Mund zu schweigen mühen. —
Wo jene Himmelsblume, die wir Liebe nennen,
Zum ersten Mal erblüht im Menschenherz,
Da weilt das Glück, wohnt Lenzlust, ob der Winter
Sich auch mit Macht ausbreite allerwärts;
Ein wahres Heiligthum ist dann die Seele
Und wandelt vor dem Höchsten ohne Fehle.
Doch, wo der Sinne Lust ein thöricht Herz beherrschet,
Da stirbt gar bald der Blume feiner Duft;
Von Leidenschaft wird unser Sein verbittert,
Zu kaltem Winter Lenzes linde Luft.
Die Seligkeit der Liebe geht verloren,
Entschwindet wieder, da sie kaum geboren. —
In Elsbeths Herzen war der Frühling eingezogen,
Sie fühlte ihrer Liebe süßen Bann
Und war zufrieden in dem stillen Wahne,
Es liebe wieder sie der liebe Mann;
Ein Lächeln von ihm und ihn nah’ zu wissen,
Genügte ihr und ließ sie Alles missen.