Getheilet in ihr Wirken zu des Hauses Bestem
Und tief empfundener Glückseligkeit,
Entflohen ihr des Herbstes kurze Tage,
Daß kaum sie merkte, wie verging die Zeit;
Sie waltete, froh im Gefühl der Minne,
Des Tagewerks mit immer heitrem Sinne.

Herr Kuonrad selber hatte, seit dem Ritt im Mondschein,
Mit jener Frage nie sie mehr bedrängt;
Auch gab er zu, bei Gängen nach dem Thale,
Daß Kunz ihr Körblein an den Arm sich hängt.
Er mußte, Elsbeth’s wegen, sich bezwingen,
Ihr kalt erscheinen, nur wollt’s nicht gelingen.

Oft zehn Mal täglich schritt er durch des Schlosses Räume,
Und hoffte daß sie ihm begegnen muß;
Wenn alsdann Elsbeth, neben ihren Pflichten,
Für ihn noch Zeit gewann zu Blick und Gruß,
Dann ward ihm jedes Mal gar froh zu Muthe
Und wußt’ ein trautes Wort er für die Gute.

Bald war’s ein stetes Meiden und sich wieder suchen,
Es wußten Beide nicht, wie es geschehn,
Daß sie, die eben in der Halle schieden,
Im Letzegang sich plötzlich wieder sehn;
Doch hörte Keines man mit Worten sagen,
Was ihre Blicke zu bekennen wagen.

Herr Kuonrad kämpfte freilich mit dem eignen Herzen
Dazwischen öfters um den Siegespreis,
Von Tag zu Tage aber ward er müder
Und gönnte jenem, daß es siegte, leis’.
Wohl selten ist Vernunft nicht unterlegen,
Trat ihr im Kampf ein warmes Herz entgegen.

Mit jeder Stunde, welche er im Schlosse weilte,
Verblaßte ihm des Bäsleins Bildniß mehr;
Bewundernd sah er Elsbeths sinnig Walten
Und wie nur Segen blühte um sie her.
Ein süßer Zauber hielt ihn fest befangen,
Dem zu entfliehn ihm mangelt’ das Verlangen.

Es klang so süß dem Ohre, wenn vom Söller nieder,
Er jeden Morgen ihr „Grüß Gott!” vernahm,
Und sang sie Abends mit den Spinnerinnen,
War’s sicher, daß den Weg er dorthin nahm,
Und oft den Freund allein beim Kännlein Weine
Mit Benno ziehen ließ die Brettspielsteine.

In ungeahnter Wonne hob es ihm die Seele
Bei dem Gedanken, daß ihn Elsbeth liebt’;
Die holde Blume mit dem keuschen Herzen,
In ihrer Unschuld sich ihm eigen giebt.
Nichts soll ihm fürder mehr das Herz bethören,
Er will nur ihr auf immer angehören!

Sein einzig Sehnen war, nur bald sie sein zu nennen,
Ihr auszuschütten sein gequältes Herz
Und ihr bekennen, daß sie ihn besiegte;
Vor seiner Liebe schmolz des Panzers Erz,
In dem er seine Ruh’ geborgen glaubte,
Eh sie durch ihren Liebreiz die ihm raubte.

Längst wünschte er für sich zu offnem Minnewerben
Die schicklichste Gelegenheit herbei,
Und schien ihm endlich, daß auch die sich biete,
Denn er fand in des Vogtes Bücherei
Ein Bündlein Schriften, „Parzifal” geheißen,
Das nur der Zufall schützte vorm zerreißen.