Doch eh’ sie ging, schritt sie noch in die Thurmthorhalle
Und schnitt vom Brod, das für’s Gesind dort war,
In aller Eile ein paar große Stücke;
Die reichte drauf sie Beiden freundlich dar
Um, während Kind und Mutter daran kauen,
Im Stüblein oben nach dem Kraut zu schauen.
Es lag zur Hand, wie noch ein Sälblein und alt Linnen,
Das letztre zum Gebrauche fein gezupft.
Schnell war jetzt Elsbeth wieder bei dem Büblein,
Deß’ Finger mit dem Sälblein sie betupft’;
Dann blies sie drei Mal mit dem Rosenmunde
Ein leises „Heilo, Segen!” auf die Wunde.
Zum Schlusse ward der kranke Finger gut verbunden
Und noch dem Weib die Anweisung ertheilt,
Wie Kraut und Sälblein zu gebrauchen seien,
Daß bald das kranke Glied des Bübleins heilt.
Doch nun die Beiden vor ihr knieen wollen,
Hieß sie sie freundlich ihres Weges trollen. —
Sie selber aber ging zu Frida in die Küche
Um nachzuschauen, daß zur rechten Zeit,
Das Essen für die Gäste fertig werde,
Denn bis zum Abend ist es nicht mehr weit.
Es war auch noch der Würzwein zu bereiten,
Ein warm Getränk, die Mahlzeit einzuleiten.
Dann eilte wieder sie in’s Palas. Hier, im Saale,
Wo jeder Tritt ein lautes Echo weckt,
Gab es noch viel zu thun, denn Mechtild hatte
Nur erst den großen Eichentisch gedeckt.
Nun gingen hurtig sie daran zu Zweien,
Vom Buffert Glas und Teller sich zu leihen.
Sie waren noch nicht fertig, als die Thüre aufging
Und Hansli mit der neuen Meldung naht’,
Daß sich ein Spielmann eingefunden habe,
Der für die Nacht um warmes Obdach bat;
So man es wünsche, wolle gern er singen,
Auch sei ihm Kundschaft von gar vielen Dingen.
„Gewähr’ ihm Herberg, Hansli,” — war der Herrin Antwort,
„Und von dem Heurigen ’nen vollen Krug;
Doch ja nicht mehr!” ergänzte sie mit Lachen,
„Denn Spielleut’ haben immer guten Zug.
Läßt ihn der Vater dann zur Nacht verbleiben,
Mag er mit Singen uns die Zeit vertreiben!”
Zufrieden mit der Antwort hinkte Hansli wieder
Zum Schloßthor hin, wo, frierend, auf der Bank
Der Spielmann saß und des Bescheides harrte,
Und nun er den erfuhr, mit vielem Dank
Dem Knechte folgte in die warme Halle,
Wo bald sein Lied erklang in munterm Schalle.
„Das fahrende Gesindlein riecht’s wohl schon von Weitem
Wenn etwas Gutes auf den Tisch geräth;
Gleich läßt es links die breite Straßen liegen,
Um nachzusehen, wo der Spieß sich dreht.
Am liebsten, glaub’ ich, haben sie die Gassen,
Da ihre Kessel in die Herdstatt passen!”
„„Es sind die Vögelein, von denen ja geschrieben,
Sie säen nicht und ernten nicht, Mechtild!
Und doch ernährt auch sie des Schöpfers Güte!””
Entgegnete dem Mädchen Elsbeth mild.
„„Nicht Allen hat der Herrgott es gegeben,
Mit Sing und Sang zu wandeln durch das Leben.””