„Dochs will mir scheinen, ist nur jene Liebe wahrhaft,
Die jeder Zeit der Treue sich befliß
Und drum, was Dich so froh von Lieb läßt reden,
Ist sicher Hansli’s Treue Dir gewiß!
Ei, wurde Dir noch niemals heimlich bange,
Daß er nach einer anderen verlange?”

„Nein, Herrin!” rief da Mechtild, „wär’ dies Liebe,
Die erst der Treue sich versehen muß?
Ist Einer einer zugethan von Herzen,
So sieht sie’s schon am ersten Blick, am Gruß,
Oh er’s auch ehrlich mit der Treue meine,
Sonst würde sie ja nimmermehr die Seine!”

„Wo Zweie sich, wie ich und Hansli, gut von Herzen,
Da hat der liebe Gott es so gefügt,
Und darum wohl zu bangen unvonnöthen,
Daß etwan eines sich im andern trügt.
Doch käm’ es so, wie Ihr halb prophezeiet,
So wüßt’ ich Eine — die selbst dies verzeihet!”

Mechtildens Antwort mußte Elsbeth hoch erfreuen,
Denn sie hob mit der Hand des Mägdlein’s Kinn,
Und küßte ihr die Wange mit den Worten:
„Mir fuhr die Frage nur so durch den Sinn,
Du Trautkind! Ja, wie Du liebst, das heißt lieben;
Auf ewig Einem eigen sich verschrieben!” —

So man vom Wolf spricht, ist er nahe! sagt ein Sprüchlein.
Noch hinkend kam jetzt Hansli durch den Gang
Und meldete, mit einem Blick auf Mechtild,
Daß auf dem Hof ein Bauernweib schon lang
Mit ihrem Büblein in der Kälte stehe
Und jammernd um der Herrin Hülfe flehe.

Als Elsbeth dies vernommen, säumte sie nicht lange,
Zum Hofe ging’s auf flinken Füßen fort;
Dort trat ihr zaghaft, bleich ein Weib entgegen,
Das früh’ schon herkam aus dem nächsten Ort,
Mit einem Büblein, so, vor Schmerz im Finger,
Laut aufschrie, daß es wiederscholl im Zwinger.

Die Herrin schauend, hielt es jedoch ein mit Schreien
Und sah durch Thränen scheu zu ihr empor,
Wie sie sich mild an seine Mutter wandte,
Die vor ihr stand wie ein gebrochen Rohr
Und erst, nach freundlich wiederholten Fragen,
Den Mund aufthat, sein Leiden ihr zu klagen.

Nun die zu Ende, zog Elsbeth das Büblein näher
Und löste langsam und mit leichter Hand
Dem Zagen, unter kosendem Geplauder,
Vom hochgeschwollnen Finger den Verband;
Der Kleine zuckte zwar, von Schmerz gepeinigt,
Als sie nun auch das kranke Glied ihm reinigt’.

„Da sitzt der Wurm im Finger,” sprach sie drauf bedächtig,
„Und darum sind die Schmerzen auch so groß.
Die Heilung zu erreichen, ist’s am besten
Wir beizen mälig die Geschwulst ihm los.
Verweil’ Dich also etwas mit dem Kinde,
Bis ich das rechte Kräutlein dazu finde.”