Ein paar Minuten später war der weite Zwinger
Von Kienholzfackeln flammenroth erhellt,
Es hallte durch das Schloß der Hifte Grüßen,
Zu dem die Meute die Begleitung bellt’;
Derweil die Hörigen die Beute brachten,
So heut’ der Vogt und seine Gäste machten.

Mit seinem Blut den Schnee noch röthend, lag zur Strecke,
Für Alt und Jung beliebte Augenweid’,
Die Beute; jedes Stücklein ward besprochen
Und bas gerühmt des Tages gut Gejaid.
Der Achtzehnender freilich war entkommen,
Da er bei Reckingen den Rhein durchschwommen.

Ein waidgerechter Rehbock mußte dafür büßen.
Nun lag das schöne Thier dahingestreckt
Im Schnee, bei einer Anzahl feister Hasen
Und einem Fuchs, der, aus dem Bau geschreckt
Vom nahgekommenen Geläut der Meute,
Sein warmes Pelzlein lieferte als Beute.

Vom Zwinger wandten sich Herr Heinz und seine Gäste,
Von Hansli angeführt, der leuchten muß,
Dem Palas zu, vor dessen Saale Elsbeth
Schon ihrer harrte mit dem Willkommgruß.
Ein hellblau Kleid mit zugeschnürtem Mieder,
Verhüllte keusch der Schönen zarte Glieder.

Als einz’gen Schmuck trug sie im wundervollen Haare
Ein schmales Schleifchen blaues Seidenband,
Das zu den goldnen Locken auf der Stirne
Ihr, wie sie meinte, stets am schönsten stand.
Doch halt! am kleinen Finger ihrer Linken
Verrieth sich noch ein Ringlein durch sein Blinken.

Des Vaters Gäste nach Verdienst zu ehren, hatte
Die Tochter heute festlich sich geschmückt;
Auf ihren Zügen aber lag’s wie Trauer
Und ihre Seele fühlte sich bedrückt,
Als so sie dastand, vor des Saales Schwelle,
Der Gäste harrend, an der Hausfrau Stelle.

Da näherten sich Schritte; man hört’ lachen, sprechen
Im Gange draußen, so zum Saale führt.
„Mein Gott! ist das nicht Fräulein Adelgunde?”
Frug Elsbeth sich, schier gar vom Schlag gerührt;
Denn solchen Gastes dacht’ sie nicht beim Decken,
Mocht’ auch den Argwohn ihr noch nichts erwecken.

Sie faßte jedoch Muth und trat ihr rasch entgegen,
Gelassen grüßend, während jene lacht’,
Daß, obwohl unerwartet hergekommen,
Sie doch um Herberg bitte für die Nacht;
Was Elsbeth, der dies zwar nicht ganz behagte,
Dem Fräulein nimmer abzuschlagen wagte.

Als letzter kam Herr Kuonrad; Elsbeths freundlich Grüßen
Vergalt er traut mit seinem Druck der Hand,
Indeß ein Blick aus ihren blauen Sternen
Blitzschnell den Weg in seine Augen fand.
Ihm war die frohe Laune wieder kommen,
Sobald den Rückweg man zum Schloß genommen.

Geschäftig half er jetzt der Herrin aus der Schale
Die Gläser füllen mit gewärmtem Wein;
Der schimmerte im Glase wie Karfunkeln
und duftete gar fein nach Nägelein,
Die sie zum Trunk als gute Würze mischte,
So daß die Müden er von Grund erfrischte.