„Doch Röslein sprach: „„Dich nehm’ ich nicht
Goldkäferlein! Dein Angesicht
Nur hin nach andern schaue.
Es blühn wohl auf der grünen Au
Viel Blümlein, roth und blaue.””

„Als aber kam ein Junker her,
Da wurde Rösleins Herze schwer;
Von selbst ward’s seine Fraue.
Es blühn wohl auf der grünen Au
Viel Blümlein, roth und blaue.”

„Dem Junkherrn gab es Duft und Blüth’,
Doch er war bald des Kosens müd’,
Zog wieder fort in’s Blaue.
Es blühn wohl auf der grünen Au
Viel Blümlein, roth und blaue.”

„Und wißt Ihr, wer der Junkherr war?
Er heißet Lenz, nimmt jedes Jahr
Ein Röslein sich zur Fraue.
Es blühn wohl auf der grünen Au
Viel Blümlein, roth und blaue.”

Wie ein geöffnet Buch, drin wonniglich zu lesen,
Saß Elsbeth da und lauschte still dem Lied;
Der helle Sonnenschein aus ihren Zügen,
Verrieth dem Freund, was sie zu sagen mied,
Daß, gleich dem Röslein, seit er hergekommen,
Auch ihrem Herzen sei die Lieb erglommen.

Was Wunder, daß Herr Kuonrad sich nicht meistern konnte
Und, tief versenkt in Liebeslust und Weh,
Nur Augen hatte für des Hauses Herrin,
So heute ihm noch schöner schien, denn je.
Es brauchte wenig und, in Minne trunken,
Wär’ vor der Holden er auf’s Knie gesunken.

Ein selig Träumen nahm der beiden Herz gefangen,
Bis leis’ der letzte Saitenton verklang;
Doch, als der Spielmann, Udo’s Wunsch willfahrend,
Im nächsten Lied des Waidwerks Lust besang,
Und es erscholl, wie helles Hifthornklingen
Durch grünen Wald, da half auch Elsbeth singen.

Nur schüchtern erst, doch bald mit voller, klarer Stimme,
— Im Schloß war Lied und Weise längst bekannt, —
Sang Elsbeth, daß der Spielmann, hingerissen
Von ihren Tönen, alle Kraft gespannt
In schöner Harmonie, um zu begleiten
Mit seinem Sange und dem Spiel der Saiten.

Es war ein Jubeln, war ein frohes Tirilliren,
Als hörte man der Vöglein hellen Sang
Im blühnden Haine draußen und im Tanne,
Wenn dort das Halali des Waidmanns klang,
Um, fern im Echo, leise zu verhallen,
Und, wieder nah, von neuem zu erschallen. —

Gelt, Mägdlein, wenn die Liebe ’s Köpflein euch verwirret,
Ihr süß Geheimniß, euch allein nur kund,
Das junge Herzlein zum Zerspringen füllet,
Und doch nicht plaudern darf davon der Mund:
Dann quillt in Liedern hell aus Brust und Kehle,
Im Sange jauchzend, was euch hebt die Seele? —