Er merkte nicht, wie darob ihm das Fräulein zürnte,
Denn seine Blicke zog’s mit Allgewalt
Zu Elsbeth, die, der Wirthin Pflichten übend,
Ihm dann und wann mit einem Blick vergalt,
Der, mehr als tausend Worte, ihm enthüllte,
Welch holdes Glück ihr junges Dasein füllte.

Sie wußte lange, daß ihr Herz ihm angehöre
Und seines ihr; wenn auch mit keinem Wort
Ihr hold Geheimniß noch die Lippen regte,
Verriethen Blicke doch des Schatzes Hort.
Verschwieg’ne Liebe ist ja doppelt theuer
Und brennt im Herzen wie ein lodernd Feuer. —

Wie schon erzählt, gings wieder heiter zu am Tische;
Bei Scherz und Kurzweil floh die Zeit gar schnell.
Kunz mußte weidlich laufen mit dem Humpen,
Wollt’ er mit Ehr’ bestehn als Schenkgesell;
Auch kam ihm dabei vor, der Herren Kehlen
Woll’ heute jeder Grund und Boden fehlen.

Bald hörte laut man Udo zu dem Spielmann sagen:
„Hei, Alter! Sing’ ein Liedlein von der Jagd;
Kennst sicher eines, das recht lustig klinget
Und frohen Waidgesellen bas behagt.
Bei Sang und Kanne läßt sich traulich sitzen;
Sieh’ nur, wie alle schon die Ohren spitzen!”

Gehorsam griff der Sänger da zum Saitenspiele;
Doch, um zu zeigen, daß er wohl verstand,
Was Höflichkeit vor edeln Damen fordert,
Bat, eh’ er’s rührte mit gewandter Hand,
Er erst des Schlosses Herrin, ihm zu sagen,
Was für ein Lied der Holden thät behagen.

Zartsinnig bat sie da ihn um der Lieder eines,
So einst sein Mägdlein sich ersann und sang.
Mit feuchtem Blick ihr lohnend, griff der Alte
Drauf in die Saiten, daß es hell erklang.
Dann hob er, anfangs leise, an zu singen,
Daß es, wie Kinderstimmen süß mußt’ klingen:

„Am Hage blüht jung Röslein roth;
Deß’ litten Wind und Käfer Noth,
Wollt’s Jeder ha’n zur Fraue;
Es blühn wohl auf der grünen Au
Viel Blümlein, roth und blaue.”

„Zum Röslein heimlich sprach der Wind:
„„Laß’ um Dich werben, liebes Kind,
Ein Herr gehrt Dein zur Fraue.
Es blühn wohl auf der grünen Au
Viel Blümlein, roth und blaue.””

„„Zieh’ weiter!”” rothes Röslein sprach,
„„Verschlossen bleibt Dir mein Gemach,
Solch Buhlen ich nicht traue.
Es blühn wohl auf der grünen Au
Viel Blümlein, roth und blaue.””

„Drauf, gülden schön, ein Käfer kam,
Gab jungem Röslein süßen Nam’,
Als seiner holden Fraue.
Es blühn wohl auf der grünen Au
Viel Blümlein, roth und blaue.”