Lichtblauer Himmel wölbt sich über Schloß und Landschaft
Und, wenn’s auch kalt macht, ist die Luft doch still
Und rührt nicht an des Waldes silbern Pfeitlein,
In dem die Sonne er begrüßen will;
Als ob ihm nimmer die Erfahrung sagte,
Daß er noch jedes Mal umsonst sich plagte.

Jetzt flammt es auf in hellen Blitzen weit im Osten
Getroffen von des Lichtes goldnem Hauch,
Erglänzt in allen Farben, glühend, funkelnd,
Ein herrlich Diadem, der Reif am Strauch.
Ein Meer von Gold ruht auf den schnee’gen Flächen,
Auf welchem glitzernd sich die Strahlen brechen. —

Daß schön der Tag sich anließ, kam Herrn Heinz zu statten,
Weil Elsbeth, wie er selbst, die Gäste bat,
Noch einen Tag das Jagdglück zu versuchen;
Was diese auch versprochen, eh’ sie spat,
Da müd’ und schläferig die Lider hingen,
Vom Wein sich trennten und zur Ruhe gingen. — —

Des Spielmanns schlichte Rede hatte gestern alle,
Nur nicht des Wasserstelzen Töchterlein,
Ernst angemuthet; dieses wollte lachen.
Mit krauser Stirne sah es unwirsch drein,
Als jener endlich schwieg und alle zaudern
Von heitern Dingen, wie vordem zu plaudern.

Doch bald gewann des Vogts gemüthlich Wesen wieder
Die Oberhand. In froh gelaunter Weis’
Befahl er Kunz, den Spielmann wohl zu letzen
Für sein Erzählen nun mit Trank und Speis’;
Es sei viel leichter, einen Korb verschwellen,
Denn Kehl’ und Magen fahrender Gesellen.

Das Gleichniß laut belachend, hörte sicher Niemand
Daß unterdessen Junker Kuonrads Mund
Des Schlosses Herrin heimlich flüsternd fragte,
Ob ihre Liebe auch so festen Grund, —
Als sie es eben von der Maid vernommen,
Die zu dem Spielmann einst in Lieb’ erglommen?

Wohl zog’s in dunklen Gluthen da auf Elsbeth’s Wangen,
Doch sah sie klaren Blicks zu ihm empor
Und sprach in mildem Ernste, aber leise,
Daß kaum erlauschen mochte es sein Ohr:
„Ich denke, Herr, es giebt nur Eine Minne
Und treufest wohnt sie tief im Herzen drinne!”

Als hätte sie zu viel gesprochen oder vorschnell,
So hastig stand sie dann vom Tische auf
Und wählte selbst dem Spielmann von den Speisen;
Auch, in der Eil’, die Kanne mit dem Knauf
Von Silber füllte sie mit Wein dem Alten,
Sah nicht, wie Mechtilds Blicke drob sie schalten.

Dann winkte sie dem Sänger freundlich sich zu setzen.
Was der natürlich auch gar gerne that
Und sich behaglich übers Essen machte,
So daß Kunz nicht ein zweites Mal ihn bat.
Bei Tische aber, nun der Ernst gebrochen,
Ward munter wieder hin und her gesprochen.

Nur einer horcht schweigend, und das war Herr Kuonrad,
Dem’s wahrlich doch am Mundwerk nicht gebrach;
Er gab wohl höfliche, doch kurze Antwort,
Wenn Fräulein Adelgunde zu ihm sprach;
Doch, wollte sie in ein Gespräch ihn ziehen,
So suchte, schlau, er solchem zu entfliehen.