„„Ein Unrecht ist’s!”” entschlüpfte es dem Mund des Junkers
So laut, daß sich der Spielmann unterbrach
Und mit Erstaunen auf Herrn Kuonrad blickte,
Aus dessen Antlitz edles Zürnen sprach;
Herr Heinz doch that, als hätt’ er nichts vernommen,
Ließ nur von Kunzen frischen Wein sich kommen.
Der Junker schwieg drum auch, dann sprach der Alte weiter:
„Es ward mir schwül am blauen Bodensee;
Denn jedes Mal, wenn ich den Freimann sehe,
Thut mir das Dreibein auf dem Nacken weh.
Weiß es ja selbst, wie es zu Muth dem Herzen,
Das schuldlos leidet Henkerpein und Schmerzen!”
„Ich sagte drum Valet der Stadt und ihrem Treiben,
Den vollen Humpen und den schönen Frau’n,
Und zog den Rhein herab, die Pfaffengassen,
Mit Sang und Sagen fürbas durch die Gau’n,
Bis sich von ungefähr das Steuer drehte
Und mich der Wind in Euer Thal verwehte.” —
„Ein wunderlieblich Land muß ich den Kletgau preisen,
Mit seinen Fluren, seinen Rebenhöhn;
Umkränzt von goldnen Feldern, grünen Matten,
Liegt Dorf an Dorf, gleichwie ein Garten schön,
Um welchen rings sich wald’ge Berge bauen,
Von denen stolze Burgen niederschauen!”
„Es lernt der Wandrer da ein heiter Völklein kennen;
Nach wackrer Arbeit liebt es Sang und Tanz,
Ist biedern Sinns und wäger hochgemuthet,
Gleich seinen Eichen auf der Berge Kranz.
Hier fühle ich mich wohl, hier möcht’ ich weilen,
Wär’ mein Geschick nicht, durch die Welt zu eilen!” —
„Nun, Herre, kennet Ihr des Vögleins Flug bis jetzo
Und wisset, wo’s die Federlein gela’n.
Ich hoffe, ’s wird einst, nach der letzten Mauser,
Wie andre, neuen, schönern Schmuck empfahn;
Ist doch auch’s Vögelein in Gottes Händen,
Der Euch und ihm wöll fröhlich Urständ spenden!”
Siebentes Kapitel.
Die Nacht ist hin. Von starkem Rauhreif weiß besponnen,
Erschimmern rings in märchenhafter Pracht
Der Bäume Wipfel, purpurn übergüldet
Vom Morgenroth, das fern im Ost erwacht;
Bald wird, sein leuchtendes Gespann am Wagen,
Der Sonnenball die kurze Tagfahrt wagen.