„Zum Danke dafür fuhr ich lang mit den Gesellen,
Die Kreuz und Quer in Stadt und Land herum;
Ihr Treiben aber wollt’ mir nicht gefallen,
Fand viel der Haken, die gewaltig krumm;
Doch wenn ich warnte, bracht’s mir Spott und Schelte,
Daß ich die Freundschaft ihnen schlecht vergelte.”

„So schwieg ich denn, bis es sich also fügte, daß wir
Dem Dorfe nahe, wo ich glücklich war.
Nun hielt mich nichts mehr, ließ das Volk im Stiche
In einer Mondnacht, wie der Tag so klar;
Das stille Hüttlein noch einmal zu sehen,
Konnt’ meiner Sehnsucht ich nicht widerstehen.” —

„Es taugte nichts. Ich fand mich fremde, schier vergessen,
Und statt zu mindern, frischte ich den Schmerz
Nur wieder auf, der manchmal doch geschlummert.
Des Menschen Herz ist wie ein Fels von Erz,
In welchem, unauslöschlich tief, gegraben,
Was wir an Freud und Leid genossen haben.”

„Am zweiten Morgen schon verließ ich drum die Hütte,
Doch diesmal mit der Laute im Geleit.
Ich fand sie noch, ein trautes Angedenken
An freudige, wie kummerhafte Zeit,
Und halte sie seitdem in guten Ehren,
Gleich einem Freund, der hilft das Leid verwehren.”

„In langen Fahrten zog ich singend durch die Gauen,
Und, wenn es anging, mehrtheils ganz allein,
Da ich dem Wesen meines eignen Völkleins
Entfremdet war bis auf den bloßen Schein;
Kam so gen Kostniz, wo der Kaiser tagte,
Und eine Zeitlang es mir bas behagte.”

„Traun! gab’s des bunten Treibens da gar viel zu schauen,
Vom Morgenläuten bis zum Abend spat.
In stolzem Prunk die Fürsten und die Pfaffen,
Viel schöne Frau’n in ihrem besten Staat;
Die weite Stadt mocht kaum sie alle fassen,
So mit dem Kaiser dort zu tagen saßen.”

„Wo Fürsten weilen, weiß der Sänger sich willkommen!
Sie leihen frohen Weisen gern das Ohr;
Auch wissen ihre Damen hold zu lohnen,
Singt man zum Saitenspiel was Schönes vor,
Und Frauenherzen muß der Sänger rühren,
Soll reichen Sold sein Singen ihm erküren.”

„So sang ich fröhlich denn am blauen Schwabenmeere,
Wo blaues Aug’ und blauer Trauben Saft
Das Herz erwärmen, unter blauem Himmel
Man sich in’s Farbenspiel des See’s vergafft. —
Ich würde heut’ noch dort die Saiten spannen,
Trieb scharfer Brandgeruch mich nicht von dannen.” —

„Ein selten Vögelein ließ sich im Garne fangen,
Von arger List und bösem Trug gestellt.
Thut nimmer gut, die Wahrheit grad zu singen,
Daß lauten Ton’s sie in den Ohren gellt;
Ach, wenn die Leute nach der Wahrheit fragen,
Bedenket erst, ob die sie auch vertragen!”

„Das Vögelein, ein Gänserich fernher aus Böheim,
Kam durch sein Schnattern bald auch arg in Noth;
Statt frei Geleite, so man ihm versprochen,
Verdammten sie’s und zwar zum Feuertod. —
Mein’ aber doch, einst kommt ein Schwan gefahren,
Den sie zu braten sich gewißlich wahren!”