„Weil mich der Tod nicht fand, zog aus ich, ihn zu suchen,
Mit einer Söldnerschaar in’s Polenreich. —
Die meisten fielen, wie das Gras im Heuet,
Nur mir blieb ferne der Geselle bleich;
Die Hand, in der das Saitenspiel erklungen,
Sie ward im Feld vom Tode nicht bezwungen.”

„Es fehlte freilich wenig, lag Euch schon im Sande,
Von scharfem Hiebe blutend, hingestreckt,
Den klaren Sinn von Dämmerung umnebelt;
Doch hat Freund Hain mich damit nur geneckt.
Statt als ein tapferer Gesell zu sterben,
Soll ich, wie scheues Wild, am Hag verderben.”

„Denn als die Anderen, die Kampfgefährten suchend,
Tags nach dem Treffen über’s Blachfeld gehn,
Da finden sie auch mich und jeder eilte,
Voll Mitleid dem Todwunden beizustehn.
Ein frischer Trunk gab mir das Leben wieder,
Verwundert hob ich bald die schweren Lider.”

„Da fügte sich’s, daß sie auch jenes Dreibein sahen,
So mir des Henkers Faust einst aufgebrannt,
Hei! war ihr Mitleid Euch nun schnell verflogen,
Als sie den Galgenvogel dran erkannt!
Ich hör’ noch heut’ ihr höhnisch Lachen klingen,
Mit dem sie, mir vorüber, weiter gingen.”

„Doch, dabei ging das letzte Federlein verloren,
Der nackte Vogel änderte den Sinn;
Sein stolzes Wollen bracht’ ihm schlecht Gedeihen,
Was er erstrebt’, deß’ ward ihm kein Gewinn.
Nun beugte er sich demuthvoll im Stillen,
Vor seines Schöpfers weiser Macht und Willen.”

„Es schwand die Kraft mir wieder und ich sank zusammen
In dumpfem Schmerz und bangem Herzeleid;
Auf leisen Sohlen kam die Nacht gewandelt
Und deckte mich mit ihrem dunkeln Kleid.
Dann schlug’s wie Wellen über mir zusammen,
Im Ohre Rauschen, in den Augen Flammen.”

„Wie lange ich bewußtlos lag, ich weiß es nimmer,
Als ich auf einmal hörte, daß man sprach.
Erwachend fand ich mich, zu meinem Staunen,
Auf Stroh gebettet unter Dach und Fach.
Der Tod war wiederum vorbeigezogen,
Ich schien ihm unwerth seines Pfeils und Bogen.”

„Ein niedrig Scheunendach, durch dessen enge Luken
Die Sonne glänzte und des Himmels Blau,
Ein Bündlein Heu, an dem ein Esel kaute,
Und in den Ecken Spinneweben grau,
Das war der Ort, an welchem ich erwachte,
Nicht grad das Paradies, wie ich mir’s dachte.”

„Zu meiner Linken sah ich bärtig Mannsvolk sitzen,
Beim Spiele, doch auch’s Krüglein in der Hand,
Derweilen Weib und Kind am Boden schliefen,
Bei einem Karren, der daneben stand.
Daß zwischen fahrend Volk ich sei gerathen,
Ließ unschwer mich der erste Blick errathen.”

„Barmherzig hatte dies sich meiner angenommen,
Als ich dem Tode nah im Felde lag,
Und nun ich endlich wieder Leben zeigte,
Hielt’s treulich bei mir aus manch lieben Tag,
Bis dann die Zeit kam, wo ich gehen konnte,
Mich nicht mehr matt am grünen Hage sonnte.”