„Wild pochte mir das Herz, ich jauchzte in Gedanken,
So oft ein Stein dem Rande näher kam.
Hei! will ich ihnen ein Memento singen,
Eh’ sie der Teufel sammt und sonders nahm!
Des Sängers Rache sollten dran sie kennen
Und müßt er selber in der Höllen brennen.”

„Verschnaufend spitzte ich die Ohren. Halt! Sie kommen!
Fern tönt im Wald der Hifte heller Ruf:
Der von der Thierburg reitet aus zum Jagen,
Schon hört ich trappeln seiner Rosse Huf.
Es ward mir schwer, den Ingrimm zu bezwingen,
Den Teufeln nicht die letzte Meß’ zu singen.”

„Da ich mich nicht verrathen durfte, schwieg ich aber
Und ließ sie nähern sich der Felsenwand.
Ein Sang war mir des Rüdenmeisters Fluchen,
Nun der den Hohlweg so verrammelt fand.
Bald folgten, fluchend, jenem auch die andern,
Sah Graf und Knecht in meine Falle wandern.”

„Der Burgherr schrie und tobte auf die Waidgesellen
So gaffend standen vor dem schweren Baum,
Anstatt dem Herrn den Weg rasch frei zu machen;
Dann sah er um sich in dem engen Raum.
Jetzt war es Zeit, mein armes Kind zu rächen,
Ein einz’ger Felsblock sollt’ sie nieder brechen!”

„Da, als der erste Block zur Tiefe donnern sollte,
Den Satan tödtend unter seiner Last,
Sah ich von ungefähr des Grafen Antlitz
Und — fuhr zurück, wie selbst vom Tod erfaßt!
Entsetzen packte mich, mußt’ inne halten,
Statt meiner grausen That zu End’ zu walten.”

„Mein fieberndes Geblüte wähnte klar zu schauen
Ein wohlbekannt Gesicht mit tiefem Blick:
Den alten Rathsherrn, der mich losgeredet,
Als meiner harrte einst des Henkers Strick.
Das Männlein, dem ich meinen Dank vermachte,
Daß ich es um sein liebes Mündel brachte.”

„Es rächt sich alles, rächt sich wohl schon hier auf Erden!
Was ich dem Alten that, das brannte jetzt,
Gleich Flammen, mir zum ersten Mal die Seele,
So daß ich wie ein Wild, vom Hund gehetzt,
Den Blick nicht wendend, lief, was ich nur konnte,
Und erst im sichern Heim mir Ruhe gonnte.” —

„Noch selben Abend gab ich Saitenspiel und Ränzlein
Der Bäuerin; das Singen hatt’ ein End’.
Gebrochnen Muthes zog ich aus dem Dorfe,
Nur sinnend, wie auch ich ein Ende fänd’.
Den Tod ersehnend, schlich ich mich von dannen;
Der Herbststurm fegte schaurig durch die Tannen.”

„So schleppte ich mich hin, das Nöthigste erbettelnd,
Vergeblich hoffend auf des Todes Nahn.
Er blieb mir fern. Ich hatt’ noch des Gefieders,
Das ich mir vorher erst sollt’ rupfen la’n.
Nackt war der Vogel ja, zur Welt gekommen.
Für’s Grab braucht ihm kein Federschmuck zu frommen.”

„Was sollt’ er noch, nun ihm der Weih die Brut gewürget?
Gelähmt die Fittige der bittre Harm?
Hob stolze Hoffnung einst ihn auf zum Himmel,
Am Boden liegt er nun, daß Gott erbarm!
Thät wohl am besten, sich im Hag zu ducken,
Daß Niemand schauen sollt’ sein letztes Zucken.”