"Dieser, edler Fürst, ist Angulimala."
Da entfärbte sich das Gesicht des Königs vor Angst. Aber bei weitem stärker war das Entsetzen Satagiras. Seine Augen schienen aus ihren Höhlen springen zu wollen, seine Haare sträubten sich, kalter Schweiß tropfte von seiner Stirn.
"Weh mir," rief er, "ja, jener ist gewißlich Angulimala, und ich Elender habe meinen König verleitet, sich in seine Gewalt zu begeben."
Dabei sah ich's ihm nur zu deutlich an, daß er nur deshalb so vor Angst bebte, weil er sich selbst in der Gewalt seines Todfeindes wähnte.
"Dieser Schreckliche," rief er weiter, "hat uns alle betrogen--hat den Erhabenen selbst betrogen und auch meine leichtgläubige Gemahlin, die, wie alle Frauen, viel auf Bekehrungsgeschichten gibt. So sind wir in diese Falle gegangen."
Und seine Blicke irrten umher, als ob er hinter jedem Baum ein halbes Dutzend Räuber entdeckte. Mit stotternder Stimme und zitternder Hand beschwor er den König, durch eilige Flucht seine teure Person in Sicherheit zu bringen.
Da trat ich denn vor und sprach:
"Sei ruhig, mein Gemahl! Ich bin imstande, sowohl dich wie meinen edlen Fürsten zu überzeugen, daß hier keine Falle gelegt ist und daß keine Gefahr droht."
Und ich erzählte jetzt, wie ich, von Angulimala überredet, mit ihm zusammen einen Anschlag gegen das Leben meines Gemahls vorgehabt hätte, und wie dieser Anschlag eben nur durch die Bekehrung meines Verbündeten vereitelt worden sei.
Als Satagira hörte, wie nahe er dem Tode gewesen war, mußte er sich auf den Arm des Kämmerers stützen, um nicht umzusinken.