Ungeheure Felsenmauern türmten sich über dem Walde empor, und als ihr Dach bauten grüne Bergkuppen sich immer höher hinauf--bewaldete Berge mußten es ja sein, obwohl sie wie Mooskissen aussahen--immer höher, bis sie im Himmel selber zu verschwinden schienen.

Nur eine einzige langgestreckte, rötliche Wolke schwebte dort oben.

Während wir sie betrachteten, fing sie an gar seltsam zu glühen. Gleichwie wenn mein Vater mit der Zange ein Stück geläuterten Goldes aus dem Schmelzofen herausnahm und, nachdem es abgekühlt war, es auf eine lichtblaue seidene Decke hinlegte: also erglänzte jetzt dies leuchtende Luftgebilde in scharf begrenzten goldig-blanken Flächen; dazwischen aber dämmerten duftig hellgrüne Streifen und zogen sich fächerförmig nach unten, indem sie erblassend in die farblose Luftschicht untertauchten, als ob sie die grünen Bergkuppen erreichen wollten. Immer rötlicher glühten die Flächen, immer grüner wurden die Schatten.

Das war keine Wolke!

"Der Himavat!" flüsterte Medini, überwältigt und ergriffen meinen Arm berührend.

Ja, da erhob er sich vor uns, der Berg der Berge, die Stätte des ewigen Schnees, die Wohnung der Götter, der Aufenthalt der Heiligen! Der Himavat--schon von Kindheit an hatte mich dieser Name mit tiefen Gefühlen von Scheu und Ehrfurcht, mit heimlicher Ahnung des Erhabenen erfüllt! Wie oft hatte ich in Sagen und Märchen den Satz gehört: "und er begab sich nach dem Himavat und lebte dort ein Asketenleben"! Zu Tausenden und Abertausenden waren sie dort hinaufgestiegen, die Erlösungsuchenden, um in der Bergeinsamkeit durch Bußübungen sich das Heil zu erringen--jeder mit seinem Wahn: und nun nahte er, der einzige Wahnlose, dessen Spuren wir folgten.

Während ich also dachte, erlosch das leuchtende Bild, als ob der Himmel es in sich aufgesogen hätte.

Ich fühlte mich aber durch diesen Anblick so wunderbar belebt und gestärkt, daß ich an keine Ruhe mehr dachte.

"Wenn auch der Erhabene," sagte ich zu Medini, "uns bis zu jenem Gipfel voranschritt, um von solchem erhabenen Standorte aus in jenes höchste der Gefilde einzugehen: so würde ich ihm doch folgen und ihn erreichen."

Und ich wanderte mutig weiter. Wir waren aber keine halbe Stunde gegangen, da verschwand das Gestrüpp plötzlich, und bebautes Land lag vor uns. Es war schon ganz dunkel, und der Vollmond ging groß und glühend über dem uns gegenüberliegenden Walde auf, als wir endlich Kusinara erreichten.