Es war in der Tat nicht viel mehr als ein Dorf der Mallas, mit Mauern und Häusern von gestampftem Lehm und Weidengeflecht. Mein erster Eindruck war, daß eine verheerende Krankheit das Städtchen entvölkert haben müsse. Vor den Haustüren saßen einige alte und kranke Leute und jammerten laut.

Wir fragten sie, was denn geschehen sei.

"Ach," riefen sie händeringend: "Gar zu bald wird der Vollendete sterben. Noch in dieser Stunde wird das Licht der Welt erlöschen. Die Mallas sind nach dem Salahain gegangen, um den Heiligen zu sehen und zu verehren. Denn kurz vor Sonnenuntergang kam Ananda in unsere Stadt und begab sich zur Markthalle, wo die Mallas eine öffentliche Sache berieten, und sagte: 'Heute, noch vor Mitternacht, o Mallas, wird das Nirvana des Vollendeten stattfinden. Sorget, daß ihr euch nicht später einen Vorwurf machen müßt: in unserer Stadt ist der Buddha gestorben, und wir benutzten nicht die Gelegenheit, um den Vollendeten in seinen letzten Stunden zu besuchen.' So zogen denn die Mallas mit Weibern und Kindern, klagend und jammernd, nach dem Salahain. Wir aber sind zu alt und schwach, wir mußten hier zurückbleiben und können den Erhabenen nicht in seinen letzten Stunden verehren."

Wir ließen uns nun den Weg von der Stadt nach jenem Salahaine zeigen. Dieser Weg war aber, als wir ihn betraten, schon gänzlich angefüllt mit den Scharen der zurückkehrenden Mallas. Wir eilten also lieber querfeldein, nach einer Ecke des Wäldchens zu.

Hier stand, an einen Baumstamm gelehnt, ein Mönch und weinte. In dem Augenblick, da ich ergriffen stehen blieb, erhob er sein Antlitz zum Himmel--das volle Mondlicht fiel auf die schmerzdurchdrungenen Züge, und ich erkannte Ananda.

"So bin ich doch zu spät gekommen," sagte ich mir, und ich fühlte, wie meine Kräfte mich verließen.

Ich vernahm aber ein Rascheln im Gebüsch und sah einen riesengroßen Mönch hervortreten und seine Hand auf Anandas Schulter legen:

"Bruder Ananda, der Meister ruft dich."

So sollte ich doch noch den Buddha in seinen letzten Augenblicken sehen! Sofort kehrten meine Kräfte wieder und befähigten mich, den beiden zu folgen.

Jetzt bemerkte und erkannte Angulimala uns. Seinen besorgten Blick richtig deutend, sagte ich: