"Es möchte sein, ihr Jünger, daß ihr also denkt: 'das Wort hat seinen Meister verloren, wir haben keinen Meister mehr.' Aber so müßt ihr nicht meinen. Die Lehre, ihr Jünger, die ich euch gelehrt habe, die ist euer Meister, wenn ich von dannen gegangen bin. Darum haltet euch an keiner äußeren Stütze. Haltet fest an der Lehre, wie an einer Stütze! Seid eure eigene Leuchte, eure eigene Stütze."

Auch mich bemerkte er dann--voll Mitleid ruhte der Blick des Allerbarmers auf mir, und ich fühlte, daß mein Pilgergang nicht vergeblich gewesen war.

Nach einer kurzen Weile sprach er dann:

"Es möchte sein, ihr Jünger, daß in jemand von euch irgend ein Zweifel aufstiege hinsichtlich des Meisters oder hinsichtlich der Lehre. Fragt frei, ihr Jünger, auf daß ihr euch nicht später den Vorwurf zu machen habt: 'der Meister war bei uns, von Angesicht zu Angesicht, und wir haben ihn nicht gefragt.'"

Da er also gesprochen, also uns aufgefordert hatte, schwiegen Alle.

Wie hätte wohl auch da noch ein Zweifel bestehen können angesichts des dahinscheidenden Meisters? Wie er dalag, von milden Mondstrahlen überflutet--als ob himmlische Genien ihm das Sterbebad bereiteten; von den niederregnenden Blüten bestreut--als ob die Erde ihren Verlust beweine; inmitten der tief erschütterten Jüngerschar selber unerschüttert, ruhig, heiter: wer fühlte da nicht, daß dieser vollkommen Heilige auf ewig alles Unvollkommene abgetan, alle Übel überwunden hatte? Was sie da "das sichtbare Nirvana" nennen, das sahen wir ja vor uns in den leuchtenden Zügen des weltverlassenden Buddha.

Und Ananda faltete seine Hände und sagte, inniglich ergriffen:

"Wie wunderbar ist doch dies, o Herr! Wahrlich, ich glaube, in dieser ganzen Versammlung ist auch nicht einer, in dem sich ein Zweifel regt."

Und der Erhabene antwortete ihm:

"Aus der Fülle deines Glaubens, Ananda, hast du gesprochen. Ich aber weiß, daß in keinem sich ein Zweifel regt. Selbst wer am weitesten zurück war, ist erleuchtet worden und wird schließlich das Ziel erreichen."