ie in einer Festhalle, wenn alle Fackeln und Lampen ausgelöscht sind, in einer Ecke vor einem heiligen Bilde ein Lämpchen noch brennen bleibt: also blieb Kamanita in der Weltennacht allein zurück.

Denn wie seine Leiblichkeit in den Astralstoff jener Buddhaerscheinung gehüllt war, so war seine Seele ganz und gar vom Buddhagedanken umhüllt: und das war das Öl, welches die Flamme dieses Lämpchens speiste.

Das ganze Gespräch, das er in der Vorhalle des Hafners zu Rajagaha mit dem Erhabenen gehabt hatte, stieg Satz für Satz, Wort für Wort in seiner Erinnerung auf. Nachdem er es aber ganz durchgegangen war, hub er wieder von vorne an. Und jeder Satz war ihm da wie eine Pforte, von der aus sich neue Gedankenwege eröffneten, die wiederum zu anderen führten. Und er wanderte sie alle, bedächtigen Schrittes, und nichts war da, was ihm dunkel blieb.

Und während sein Geist da solchermaßen den Buddhagedanken in sich hineinspann und verarbeitete, sog seine Körperlichkeit immer mehr von dem sie umgebenden Astralnebel in sich, so daß dieser endlich durchsichtig wurde. Und die Finsternis der Weltennacht fing an sich als ein zartes Blau zu zeigen, das immer dunkler ward.

Da dachte Kamanita:

"Draußen herrscht nun die ungeheure Finsternis der Weltennacht. Einst aber wird die Zeit kommen, da der Tag graut und eine neue Brahmawelt ins Dasein tritt. Wenn mein Sinnen und Trachten nun darauf gerichtet wäre, der hunderttausendfache Brahma zu sein, der diese Welt ins Leben rufen wird, so sehe ich nicht, wer mir da den Rang ablaufen könnte. Denn während alle Wesen jener Brahmawelt in Ohnmacht und Nichtsein versunken sind, bin ich hier wach und geistesmächtig zur Stelle. Ja, ich könnte, wenn ich wollte, in diesem Augenblick jene Wesen alle ins Dasein rufen, jedes an seine Stelle, und den neuen Weltentag beginnen. Eins aber könnte ich nicht: Vasitthi könnte ich nimmer wieder ins Dasein rufen. Vasitthi ist davongegangen in jenem Entschwinden, das keine Daseinskeime zurückläßt; kein Gott und kein Brahma kann sie finden. Was aber soll mir ein Leben ohne Vasitthi, die im Leben das Schönste und Beste war? Und was soll mir ein Brahmasein, über welches man hinausgehen kann? Was soll mir die Zeitlichkeit, wenn es eine Ewigkeit gibt?

"Es gibt eine Ewigkeit und einen Weg in die Ewigkeit. Einst hat mich ein alter Waldbrahmane gelehrt, daß um das Herz hundert feine Adern gesponnen sind, durch welche die Seele in dem ganzen Körper umherschweifen kann; eine einzige Ader aber gäbe es, die zum Scheitel führe, und durch diese verlasse die Seele den Körper. So gibt es auch hundert, ja tausend und hunderttausend Wege, die in dieser Welt umherführen, durch mannigfache Leidensstätten, langwierige und kurzwierige, schön ausgestattete und häßlich ausgestattete: Himmel und Menschenwelt und Tierreiche und Höllen. Aber einen einzigen Weg gibt es, der aus dieser Welt gänzlich hinausführt. Das ist der Weg in die Ewigkeit, der Weg ins Unbetretene. Auf diesem Wege befinde ich mich jetzt. Wohlan, ich will ihn zu Ende gehen."

Und er dachte den Buddhagedanken von dem zur Leidensvernichtung führenden Wege immer weiter.

Und immer dunkler wurde das Blau der durchscheinenden Weltennacht.

Wie dasselbe aber anfing fast schwarz zu werden, leuchtete der neue Brahma auf, ein hunderttausendfacher Brahma, der hunderttausend Welten erleuchtet und erhält.