Wie wir uns nun zuschwuren, daß nur der Alles hinraffende Tod uns sollte trennen können, wie wir von meiner baldigen Rückkehr, sobald die Regenzeit vorüber wäre, sprachen und Mittel und Wege erörterten, um ihre sehr reichen Eltern dahin zu bringen, daß sie in unsere Verbindung einwilligten, und wie dies von unzähligen Küssen, Tränen und Umarmungen unterbrochen wurde: das wäre ich nicht einmal mehr imstande, dir genau zu erzählen, denn es ist in meinem Gedächtnis nur wie die Erinnerung an einen wirren Traum zurückgeblieben. Noch weniger aber kann ich, wenn du selbst nicht Ähnliches erlebt hast, dir eine Vorstellung davon geben, wie sich in jeder Umarmung wonniges Entzücken und herzzerreißende Verzweiflung umschlangen; denn eine jede gemahnte daran, daß die letzte für diesmal bald folgen würde; und wer stand dafür ein, daß diese dann nicht die letzte überhaupt war?
Nur gar zu bald traten Somadatta und Medini wieder aus dem Tempel heraus. Die Heilige wollte nun auch uns die Zukunft offenbaren, aber Vasitthi entsetzte sich ob dieses Gedankens.
"Wie sollte ich es denn ertragen, wenn eine unheildrohende Zukunft sich entschleierte?" rief sie aus.
"Warum denn auch gerade unheildrohend?" meinte die wohlwollende Alte, die wohl wegen ihrer Heiligkeit freundliche Lebenserfahrungen gemacht haben mochte. "Auch dem Diener blüht das Glück," fügte sie verheißungsvoll hinzu.
Aber Vasitthi ließ sich durch ihre Worte nicht locken; schluchzend umklammerte sie meinen Hals.
"Ach, mein einzig Geliebter," rief sie, "mir ist es, als ob die Zukunft mit unerbittlichem Gesicht dreinschaute. O, ich fühle es,--ich werde dich nie mehr wiedersehen!"
Obwohl mich diese Worte mit eisigem Schauer durchrieselten, versuchte ich ihr doch diese grundlose Angst auszureden; aber eben, weil sie grundlos war, vermochten meine beredtesten Worte wenig oder gar nichts. Die Tränen rollten unaufhaltsam über Vasitthis Wangen; mit einem Blick überirdischer Liebe ergriff sie meine Hand und drückte sie an ihre Brust.
"Aber wenn wir uns hier nicht mehr sehen sollten, so wollen wir uns doch treu bleiben, und wenn dies kurze und leidenvolle Erdenleben vorüber ist, wollen wir uns im Paradiese wiederfinden und dort vereinigt auf immer himmlische Wonne genießen.... O, Kamanita! Versprich mir das--wie viel stärker wird das mich aufrichten als alle tröstenden Worte! Denn diese sind ja doch gegen den unvermeidlichen, schon heranbrausenden Schicksalsstrom so ohnmächtig wie das Schilf gegen die Wasserflut. Aber allmächtig, neues Leben gebärend, ist der heilige, feste Entschluß."
"Wenn es nur darauf ankommt, geliebte Vasitthi--wie sollte ich dich dann nicht überall finden?" sagte ich, "aber hoffen wir, daß es in dieser Welt geschehen wird!"
"Hier ist Alles unsicher, und schon der Augenblick, in dem wir sprechen, gehört uns nicht an--aber nicht so im Paradiese."