"Ach, Vasitthi," seufzte ich, "gibt es ein Paradies--und wo liegt es?"

"Wo die Sonne untergeht," sagte sie mit voller Überzeugung, "liegt das Paradies des grenzenlosen Lichtes, und Allen, die den Mut haben, das Irdische zu verachten und ihr Denken auf jenen Ort der Seligkeit zu richten, steht dort eine reine Geburt bevor, aus dem Schoße einer Lotusblume. Die erste Sehnsucht nach jenem Paradiese bringt dort im heiligen, kristallklaren See eine Knospe hervor, jeder reine Gedanke, jede gute Tat läßt sie anschwellen, während alles Böse, was in Gedanken, Wort und Tat vollbracht wird, wie ein Wurm in ihr nagt und sie dem Verwelken nahe bringt."

Ihre Augen leuchteten gleich Tempelkerzen, als sie so sprach mit einer Stimme, die wie die lieblichste Musik klang.

Dann erhob sie ihre Hand und zeigte hinauf, wo über den schwarzen Wipfeln der Sinsapabäume die Milchstraße sich in sanft strahlendem Alabasterglanz durch die mit funkelnden Sternen übersäte, purpurdunkle Himmelsebene streckte.--

"Sieh dort, Kamanita," rief sie--"die himmlische Ganga! Schwören wir bei ihren silbernen Wellen, die die Lotusseen jener seligen Gefilde speisen,--unsere ganze Seele darauf zu richten, dort unserer Liebe eine ewige Heimat zu bereiten."

Seltsam bewegt, hingerissen und in meinem Innersten tief erschüttert, erhob ich meine Hand zu der ihren, und unsere Herzen bebten gemeinsam bei dem göttlichen Gedanken, daß in diesem Augenblick in unabsehbaren Weltenfernen hoch über den Stürmen dieses irdischen Daseins eine Doppelknospe ewigen Liebeslebens sich bildete.

Als ob hiermit ihre Kräfte erschöpft wären, sank Vasitthi in meine Arme, wo sie wie leblos liegen blieb, nachdem sie noch einen hinsterbenden Abschiedskuß auf meine Lippen gedrückt hatte.

Ich legte sie sanft in die Arme Medinis, bestieg mein Pferd und ritt davon, ohne daß ich mich noch einmal umzusehen wagte.

[IX. UNTER DEM RÄUBERGESTIRN]