Der Mond stand jetzt über dem Dachvorsprung, und sein Licht drang in den vorderen Teil der Halle, wo es wie drei auf die Bleiche gebreitete weiße Tücher auf dem Boden lag, während die linken Seiten der Pfeiler glänzten, als ob sie mit Silber beschlagen wären.
In der tiefen Stille der Nacht hörte man, wie eine Büffelkuh irgendwo in der Nähe mit regelmäßigen kurzen Rucken das Gras abrupfte.
Und der Erhabene überlegte bei sich:
"Sollte ich wohl jetzt diesem Pilger sagen, was ich alles von Vasitthi weiß? Wie treu sie ihm war, wie sie ohne eigene Schuld, durch schnöden Betrug, dahin gebracht wurde, Satagira zu heiraten? Wie es ihr Werk war, daß Angulimala in Ujjeni erschien, und daß dadurch auch er, Kamanita, selber sich auf diesem Pilgerwege befindet, anstatt in schmutzigem Wohlleben zu verkümmern. Sollte ich ihm offenbaren, auf welchem Wege sich jetzt Vasitthi befindet?"
Und er entschied sich dahin, daß die Zeit dafür noch nicht gekommen sei, und daß ein solches Wissen dem Streben des Pilgers nicht förderlich sein könne.
Da sprach der Erhabene:
"Von Liebem getrennt sein, ist Leiden, mit Unliebem vereint sein, ist Leiden. Wurde dies gesagt, so wurde es darum gesagt."
"O wie wahr!" rief Kamanita mit bewegter Stimme--"wie überaus tief und wahr! Wer hat denn, o Fremder, diesen trefflichen Ausspruch getan?"
"Laß es gut sein, Pilger. Gleichviel, wer ihn getan hat, wenn du nur seine Wahrheit fühlst und erkennst."
"Wie sollte ich nicht! Enthält er doch in wenigen Worten den ganzen Jammer meines Lebens. Hätte ich mir nicht schon einen Meister erwählt, ich würde keinen anderen als den Trefflichen, von dem diese Worte stammen, aufsuchen."