"Ist es möglich?" sagte Ananda und blickte von dem Verwundeten auf, der durch die Schmerzen, die ihm das Emporheben verursacht hatte, fast bewußtlos geworden war und die Ankunft des Hafners gar nicht bemerkt hatte.--"Ist es möglich? Dieser arme Mann hätte das Glück, nach dem er so sehnlich trachtet, die ganze Nacht genossen, ohne es auch nur im geringsten zu ahnen?"
"Das ist die Art des Toren," sagte Sariputta. "Aber gehen wir; jetzt kann er ja hingebracht werden."
"Einen Augenblick!" rief Ananda, "die Schmerzen haben ihn überwältigt."
In der Tat zeigte der leere Blick Kamanitas, daß er kaum bemerkte, was um ihn vorging. Es fing an, ihm schwarz vor den Augen zu werden. Aber der lange Streifen des Morgenhimmels, der oben zwischen den hohen Mauern leuchtete, drang doch noch bis zu seinem Bewußtsein durch und mochte ihm wohl als die den Nachthimmel durchquerende Milchstraße erscheinen. Seine Lippen bewegten sich:
"Die Ganga--," murmelte er.
"Seine Sinne wandern," sagte Ananda.
Die Zunächststehenden, die das Wort vernommen hatten, faßten es anders auf.
"Er wünscht jetzt an die Ganga gebracht zu werden, damit die heiligen Wogen seine Sünden abspülen.--Aber Mutter Ganga ist ja weit von hier--wer könnte ihn wohl dahin tragen?"
"Erst der Buddha, dann die Ganga!"--murmelte Sariputta mit dem halb verächtlichen Mitleid des Weisen einem Toren gegenüber, der unrettbar von einem Aberglauben in den anderen fällt.
Aber plötzlich belebten die Augen Kamanitas sich wunderbar. Ein seliges Lächeln verklärte seine Züge. Sein Körper wollte sich aufrichten. Ananda stützte ihn.