Die Mittel des Gegendruckes, die uns gegenüber dem Druck Englands auf die Neutralen zur Verfügung standen, waren bescheiden. Die Zeiten, in denen der Verkäufer im allgemeinen in der schlechteren Lage ist als der Käufer, in denen die Konkurrenz des Angebots meist größer ist als die Nachfrage, waren mit Kriegsausbruch vorbei. Von jetzt ab beherrschte der Warenhunger den internationalen Handel. Auch für die Neutralen war jetzt die erste Frage nicht mehr: „Was kann ich dir verkaufen?“ sondern: „Was kannst du mir liefern?“

Der Welthandel ist in der Hauptsache Seehandel. Da unsere Feinde die See beherrschten, konnten sie den Neutralen nicht nur die Erzeugnisse ihres eigenen Landes und ihrer weltumfassenden überseeischen Besitzungen je nach Belieben liefern oder vorenthalten, sondern darüber hinaus hatten sie es in der Hand, die Erzeugnisse der ganzen überseeischen Welt den europäischen Neutralen zu sperren. Sie haben von dieser Möglichkeit ohne jede Rücksicht auf das Völkerrecht den brutalsten Gebrauch gemacht.

Uns stand demgegenüber nur unsere eigene, durch den Krieg ebensosehr beeinträchtigte wie in Anspruch genommene Erzeugung zu Gebote. Darunter wichtige Dinge, wie Kohlen, Eisen und Stahl, Teerfarben, Arzneimittel, Kali und ähnliches. Aber einmal konnten wir auch von diesen Dingen nur beschränkte Mengen abgeben; ferner waren Kohlen und Eisen immerhin der Konkurrenz von englischer und auch amerikanischer Seite ausgesetzt; schließlich ist der stärkste Druck immer noch der Hunger, den die Entente durch die Sperrung der Zufuhr an Nahrungs- und Futtermitteln in Wirkung setzen konnte. Es handelte sich darum, mit den wenigen Trümpfen, die wir in unserm Spiel hatten, das möglichste an Vorteilen herauszuholen.

Dazu war nötig die planmäßige Verfügung über unsere für die Ausfuhr verfügbaren Waren. Schon die unbedingte Sicherung des eigenen Bedarfs für Kriegs- und Wirtschaftszwecke hatte bald einzelne Ausfuhrverbote erforderlich gemacht. Die Notwendigkeit, unsere Ausfuhr als Mittel im Wirtschaftskampf um die Neutralen zu verwerten, machte es vollends unmöglich, die Ausfuhr und die Ausfuhrbedingungen in dem Belieben des einzelnen Produzenten oder Händlers zu belassen.

Nicht minder wurde eine Regelung der Einfuhr notwendig.

Wir konnten einmal die ohnedies gewaltigen Schwierigkeiten der Heranziehung ausländischer Zufuhren nicht dadurch ins Ungemessene steigen lassen, daß deutsche Aufkäufer auf den überlaufenen neutralen Märkten sich gegenseitig eine schrankenlose Konkurrenz machten, die Preise unvernünftig in die Höhe boten und die sonstigen Gegenforderungen des Auslandes maßlos erhöhten.

Wir mußten ferner mit unserer beschränkten Kaufkraft für ausländische Waren haushalten und die für uns beschaffbaren Beträge an fremder Valuta für den Ankauf der am dringlichsten benötigten Waren verwenden.

Schließlich ließ die Tatsache, daß die Einfuhr wichtiger Waren nur in bestimmten Mengen und nur gegen Zugeständnisse unsererseits auf dem Gebiete der Ausfuhr zu erreichen war, gar keine andere Wahl als eine planmäßige Regelung auch der Einfuhr.

Das sind die zwingenden Gründe, aus denen die vielgescholtene Reglementierung und Zentralisation unserer Aus- und Einfuhr entstand.