„Die deutsche Regierung ersucht den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, die Herstellung des Friedens in die Hand zu nehmen, alle kriegführenden Staaten von diesem Ersuchen in Kenntnis zu setzen und sie zur Entsendung von Bevollmächtigten zwecks Aufnahme der Verhandlungen einzuladen. Sie nimmt das von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika in der Kongreßbotschaft vom 8. Januar 1918 und in seinen späteren Kundgebungen, namentlich vom 27. September, aufgestellte Programm als Grundlage für die Friedensverhandlungen an.

Um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, ersucht die deutsche Regierung, den sofortigen Abschluß eines allgemeinen Waffenstillstandes zu Lande, zu Wasser und in der Luft herbeizuführen.“

Die besondere Bezugnahme auf Wilsons Rede vom 27. September 1918 in der um Waffenstillstand und Friedensverhandlungen bittenden Note macht es nötig, darauf hinzuweisen, daß der Präsident in dieser Rede unter anderem gesagt hatte:

„Wir sind uns alle einig darüber, daß es keinen Frieden geben darf, der durch irgendeine Art von Handel oder Kompromiß mit den Regierungen der Mittelmächte erreicht wird... Sie haben uns davon überzeugt, daß sie ohne Ehre sind und nicht Gerechtigkeit wollen. Sie beobachten keine Verträge und erkennen keinen Grundsatz an als den der Gewalt und ihres eigenen Interesses... Dem deutschen Volk muß jetzt klar geworden sein, daß wir nicht den Worten derjenigen trauen können, die uns diesen Krieg aufgezwungen haben.“

Faustschläge in das deutsche Gesicht! Aber die neue deutsche Regierung nahm in ihrer Note an den Mann, der diese Faustschläge ausgeteilt hatte, ausdrücklich auch die Rede vom 27. September als „Grundlage für Friedensverhandlungen“ an. Man kann sich ausmalen, in welchen Respekt sie sich damit bei dem Empfänger der Note setzte!

Prinz Max brachte die Note an den Präsidenten Wilson in seiner Rede vom 5. Oktober zur Kenntnis des Reichstags und des deutschen Volkes.

Zur Begründung führte er aus, er habe diesen Schritt bei dem Präsidenten Wilson getan, weil das von diesem aufgestellte Programm für den allgemeinen Frieden von uns als Verhandlungsgrundlage angenommen werden könne, und weil die „auf das künftige Glück der Völker“ gerichteten Gedanken, die Herr Wilson verkünde, „sich völlig mit den allgemeinen Vorstellungen im Einklang befinden, in denen sich auch die neue deutsche Regierung und mit ihr die weit überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes bewegt“.

Er machte einen Versuch, mit dem Ersuchen an Wilson einen Anschein der Entschlossenheit zu verbinden: Er wisse, daß das Ergebnis seiner ersten Handlung, wie es auch ausfallen möge, Deutschland fest entschlossen und einig finden werde sowohl zu einem redlichen Frieden als auch zu dem Endkampf auf Leben und Tod, zu dem unser Volk ohne eigenes Verschulden gezwungen wäre, wenn die Antwort der mit uns im Kriege stehenden Mächte von dem Willen, uns zu vernichten, diktiert sein sollte.

Noch am 22. Oktober sprach der Reichskanzler Prinz Max im Reichstag die Worte: