Es war also im Frühjahr 1917 noch kein Grund zu der von dem Grafen Czernin propagierten Panikstimmung vorhanden. Die Diplomatie hatte für ihre Betätigung zur Herbeiführung des Friedens noch einen reichlich bemessenen Spielraum. Es kam jetzt in der Tat alles darauf an, daß Regierende und Regierte die Nerven behielten und daß die Politik die sich ihr im weiteren Verlauf der Ereignisse bietenden Gelegenheiten klug und besonnen zur Herbeiführung eines erträglichen Friedens ausnutzte. Besonnenheit und Klugheit war für die deutsche Politik jetzt um so mehr geboten, als der Schritt des Grafen Czernin vom April 1917 zeigte, daß auf unseren österreichisch-ungarischen Bundesgenossen kein unbedingter Verlaß mehr war.

Die innere Lage

Der Verfall des Burgfriedens

Als Ende Juli 1914 das gewaltige Schicksal des Krieges über Deutschland hereinbrach, fand es ein einiges Volk. Die Überzeugung, daß es gelte, Haus und Herd gegen einen frevelhaften Angriff zu verteidigen, war, ebenso wie der entschlossene Wille zur Verteidigung, Gemeingut aller Stände und Schichten. Alles Trennende trat hinter den einen Gedanken zurück, daß es gelte, das Vaterland aus schwerster Bedrängnis zu retten.

Das Wort des Kaisers: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche“ war der Ausdruck der Stimmung, die das ganze Volk erfüllte. Der „Burgfriede“ war das Kriegsgesetz der Heimat.

Auch diejenige Partei, die unsere Staats- und Gesellschaftsordnung grundsätzlich bekämpfte und ihre Ziele auf internationaler Grundlage zu erreichen suchte, die Sozialdemokratie, stellte sich schützend vor das bedrohte Vaterland.

Am 4. August 1914 erklärte der Abgeordnete Haase als Sprecher der Sozialdemokratischen Partei im Reichstag:

„Es gilt, die Kultur und die Unabhängigkeit des eigenen Landes sicherzustellen. Da machen wir wahr, was wir immer betont haben: Wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich.“

Der Kriegskredit und alle Kriegsgesetze wurden in jener Reichstagssitzung einstimmig angenommen.