„Vier Urwurzeln zuvörderst vernimm von sämtlichen Dingen,
Feuer und Wasser und Erd' und der Luft unermeßliche Höhe;
Denn aus diesen ist alles, was war und was ist und was sein wird.“


„Aber indem sie sich mischen, entsteh'n unzählige Wesen,
Mit manchfachen Gestalten geschmückt, ein Wunder dem Anblick.“


„Wie da geschieht, wenn Maler ein prächtig Gemäld' ausführen,
Männer, die wohl in der Kunst von göttlicher Weisheit belehrt sind;
Diese, nachdem sie der Farben verschiedene Stoffe genommen
Und sie passend gemischt, die mehr und weniger jene,
Bilden daraus sie Gestalten, den sämmtlichen Dingen vergleichbar.
Bringen sie Bäum' aus ihnen hervor und Männer und Frauen,
Tiere des Feld's und Vögel und wasserbewohnende Fische
Und langlebende Götter zumal, an Ehren die Höchsten.
Also täusche dich nicht, als kämen die sterblichen Wesen,
Die da entsteh'n unendlich an Zahl, aus anderer Quelle,
Sondern gewiß glaub' dieses, dieweil's eine Gottheit dich lehret.“


Er beschreibt das Feuer als warm und glänzend, die Luft als flüssig und durchsichtig, das Wasser als dunkel und kalt, die Erde als schwer und hart; er legt der Erde eine natürliche Bewegung nach unten, dem Feuer nach oben bei. Erst Giordano Bruno, der übrigens selber bis über die Ohren in Empedocleischen Vorstellungen steckte, hat in seiner naturphilosophischen Hauptschrift vom Unendlichen, dem All und den Welten, diese Lehre von den 4 Elementen, soweit sie gegen die Aristotelisch-Kopernikanische Weltanschauung verwertet wurde, zu erschüttern versucht. (Vgl. S. 192 meiner Übersetzung dieser Dialoge.) Er bemerkt: „Die alte Unterscheidung der Elemente beruht nicht auf natürlichen, sondern logischen Unterschieden.“ Ich möchte freilich diese Bemerkung dahin berichtigen, daß sie auch nicht auf logischen Erwägungen, sondern neben einer oberflächlichen Beobachtung wohl in erster Linie auf mystischen Ideen, nämlich auf der Pythagoräischen Wertschätzung der Vierzahl beruhte. Eine solche langdauernde Bedeutung konnten zahlensymbolische Spielereien in der Geschichte des menschlichen Wissens erhalten! Noch heute hat ja der vulgäre Sprachgebrauch die Tradition des griechischen Dichter-Philosophen nicht verlassen. Empedocles bezeichnet die Elemente mit mythologischen Namen, das Feuer ist für ihn Zeus oder Hephästus, die anderen erhalten die Namen Here, Aidoneus und Nestis.

„Vier Urwurzeln zuvörderst vernimm von sämtlichen Dingen
Zeus im Glanz und Here, die Nährerin, und Aidoneus,
Nestis dazu, die in Thränen den Sterblichen Fließendes ausgießt.“