c) Gott, geschieden in ein Liebendes und in ein Geliebtes.
d) Diese Spaltung ist der Urbestand der Dinge.
Die Dinge sind und sind nicht, sie sind nur in der Trennung und durch sie, sie sind nicht auf dem Standpunkte über der Trennung. Die Liebe ist Weltmutter, aber was sie geboren hat, ist im bloßen Schein geboren, es ist ein Scheinbild, es sind Zaubergärten, die mit dem Beschwörungsworte in sich selbst versinken. Das Eine aber bleibt: Parabrahma, der Selbständige.
Diese spekulative Auflösung nimmt die realen Dinge als Kunstgebilde der Liebe im Scheine, mithin ist sie a) ästhetisch, b) sie hat sich aber ganz natürlich aus dem ersten naiven Naturmythus entwickelt. Hiernach ist die schaffende Gottheit Welt-Lingam. Der Grund des Zeugens und Schaffens kann in nichts anderem liegen, als in der Liebe; und davon giebt sich nun die gesteigerte Spekulation die angeführte Rechenschaft.
[II. Die cerealischen Mysterien.]
[1. Die Eleusinien.]
Während die bacchischen oder dionysischen Mysterien an das männliche Naturprinzip anknüpfen, gehen die cerealischen vom weiblichen aus; sie knüpfen an die Erntefeste an, während die bacchischen ursprünglich Winzerfeste waren.
In Attika haben sich freilich allmählich in den Eleusinien, in denen auch Jakchos (Bacchos) seine große Rolle spielt, beide vermischt; jedoch blieb Demeter (Ceres) die Hauptgottheit der Eleusinien. Über die Eleusinischen Mysterien sind wir verhältnismäßig am besten unterrichtet, da sie im Altertum den größten Ruhm erlangten, und daher vielfache Andeutungen über ihre Feier von Dichtern, Philosophen und Historikern gegeben worden sind. Die Zulassung zu ihnen wurde allen Hellenen gewährt, von welchem Stamme oder Staate sie auch sein mochten.
Sie bestanden aus zwei durch einen halbjährigen Zwischenraum getrennten Feiern. Die erste derselben, die sog. kleinen Mysterien wurden im Monat Anthesterion, der etwa unserem Februar entspricht, begangen, also im Frühling, sie waren vorzugsweise der Kora oder Persephone, der Tochter der Ceres, und dem Jakchos oder Dionysos, der als Bruder der Kora galt, gewidmet. Diese Feier wurde zu Agra, einer Vorstadt Athens, am Ilissus begangen. Ihr ging eine Reinigung vorauf, zu der das Wasser des Ilissus diente – Die großen Mysterien fielen in die Mitte des Monats Boëdromion, September, und dauerten nahezu 14 Tage. Der erste Tag hieß Tag der Versammlung. Die Mysten versammelten sich in der Stadt. Am zweiten Tag begaben sie sich mit dem Ruf ἁλαδε μύσται, „an das Meer, ihr Mysten“, an den Strand, um im Meerwasser die vorbereitende Reinigung vorzunehmen. Die folgenden Tage wurden mit mancherlei Umzügen, Opfern und Andachtsübungen in Heiligtümern der Demeter, Persephone und des Jakchos ausgefüllt. Am 20. Boëdromion begab man sich dann in feierlicher Prozession von Athen nach Eleusis. Die Prozession nahm fast einen ganzen Tag in Anspruch, da an einer großen Anzahl von „Stationen“, z. B. beim Grabmal des Eumolpos, bei dem wilden Feigenbaum, wo einst Pluto mit der geraubten Proserpina in die Unterwelt hinabgefahren sein sollte, beim Tempel des Triptolemos längerer Aufenthalt zur Vollziehung gottesdienstlicher Handlungen genommen wurde. Sie schloß damit, daß das Bild des Jakchos in den Weihetempel zu Eleusis, das Telesterion, gebracht wurde. Am folgenden Tage und in der Nacht wurden verschiedene Festakte, über die wir nichts näheres wissen, teils im Freien, teils im Peribolos des Telesterion begangen. Hierbei wechselte ausgelassene Lust und gegenseitige Neckerei beider Geschlechter, wobei die Frauen vielfach jene Handlung der Baubo oder Jambe wiederholten, durch die nach dem Mythos Ceres zuerst in ihrer Traurigkeit getröstet sein soll, mit feierlichem Ernst und andächtiger Sammlung. Einige Ahnung von diesem Treiben verschafft uns die Schilderung Herodots I. 60 vom egyptischen Isisfest. „Einige von den Weibern haben Klappern und klappern damit, einige Männer aber spielen die Flöte, und die übrigen Weiber und Männer singen und klatschen in die Hände; etliche verhöhnen die Weiber und etliche tanzen, etliche aber stehen auf und heben die Kleider in die Höhe.“ (Die Baubo oder Jambe entlockte nämlich durch eine unanständige Entblößung der Demeter das erste Lächeln.) In den Fröschen des Aristophanes wird uns der Chorgesang der Mysten und ihr ausgelassenes Treiben durch folgende Verse geschildert: