„Glücklich ist, wer der eleusinischen Wahrheiten Kenner
In die Gruft des Todes hinabsteigt.
Er kennt den Ausgang des Lebens,
Kennt den gottverliehenen Anfang.“
oder Sophokles:
„Wie höchstbeglückt gelangen die ins Schattenreich,
Die eingeweiht sind. Sie leben dort allein,
Den andern ist nur Not und Ungemach bestimmt.“
oder wenn Isocrates schreibt, daß die, welche in die eleusinischen Mysterien eingeweiht sind, beseligende Hoffnungen bezüglich des Lebensendes und der ganzen Ewigkeit erlangen; und Cicero: „Athen hat zwar manches Vortreffliche geschaffen, aber gewiß nichts Besseres, als jene Mysterien, durch die wir aus einer rohen und uncivilisierten Lebensweise zur wahren Bildung geführt sind und in die wahren Prinzipien des Lebens eingeweiht, über das Rätsel des Lebens aufgeklärt werden, sodaß wir nicht nur mit größerer Freude das Leben zu genießen, sondern auch mit besserer Hoffnung zu sterben gelernt haben.“
Was war denn nun der wesentliche Inhalt der Lehre, die der Eingeweihte aus den Symbolen und dramatischen Handlungen der eleusinischen Mysterien entnahm? Zunächst allerdings nichts „occultistisches“, sondern die civilisatorische Bedeutung des Ackerbaues, wie sie Schiller in seinem Gedicht: das „eleusinische Fest“ so unübertrefflich schildert.
„Ceres“, singt Ovid, „Ceres zuerst hat Schollen mit hackigem Pfluge gewühlet,
Ceres zuerst gab Früchte dem Land' und mildere Nahrung;
Ceres gab die Gesetze; durch Ceres Geschenk sind wir Alles!“
Vor allem verehrte man in der Demeter die unerschöpfliche üppige ewig jugendliche Naturkraft, die starke, nährende Mutter der lebenden Wesen; und dementsprechend trug die Feier vorwiegend den Charakter des freudigen Erntefestes.
„Deo, du göttliche Mutter des All's, vielnamiges Wesen,
Jugendernährerin du, Glückspenderin, hehre Demeter,
Segenquell', im Ährengesproß, allgebende Gottheit,
Welche der Frieden ergötzt und die Mühsal ihres Berufes;
Dein ist die Saat, dein Garben und Tenn', o Göttin des Fruchtgrüns,
Die Du Dir Wohnung erkorst in Eleusis heiligen Hallen!
Anmutsvoll, liebreizend, der Menschen Ernährerin allwärts;
Welche zuerst zum Pflügen gebeugt den Nacken des Stieres,
Und dem Sterblichen gab den lieblichen Segen der Nahrung;
Wuchernder Blüte, Genossin des Bromios, glänzender Ehre
Fackel umstrahlt, urrein, die im Sommer sich freute der Sichel,
Jetzt in der Tief', aufsteigend anjetzt, jetzt jeglichem milde,
Kinderbeglückt, den Jünglingen hold, du Nährerin, Männin,
Welche mit Drachengebiß den rollenden Wagen bespannt hat,
Und in kreisendem Lauf um den eigenen Thron froh jauchzet!
Eingeburt, an Sprößlingen reich, voll waltender Obmacht,
In der Gestalten Gedräng' hehrblühender, buntes Geblümes,
Selige, komm, urreine, beladen mit Früchten der Ernte;
Frieden bringe zurück und des Rechtes gefällige Satzung,
Überströmende Füll' und königliche Gesundheit.“[601]