Die höchste Planetengottheit ist die Sonne, Samas, dessen weibliche Potenz Gula hieß; ihr folgte der Mondgott Sin, dessen weibliches Prinzip im Akkadischen Nin-gelal hieß; der assyrische Name ist noch nicht mit Sicherheit entziffert.
Diesen höchsten Planetengöttern folgen nun in bekannter Stufenreihe: Adar (Saturn), Maruduk (Jupiter), Nergal (Mars), Istar (Venus), Nebo (Mercur); akkadisch: Nin-dara, Amar-utuki, Nirgal, Sukus und Ak. Ihnen allen stehen mit Ausnahme der unklar androgyn gedachten Istar, deren geheimnisvoller Gatte Dumuzu heißt, ausgesprochene weibliche Prinzipe gegenüber. So dem Adar: die Belit, dem Maruduk die Zarpanit, dem Nergal die Laz, und endlich dem Nebo die Tasmit.
Da nun Venus und Mercur bald am Morgen, und bald am Abend sichtbar sind, so nahm man eine doppelte Istar, eine von Arbela und eine von Niniveh, an und machte aus Nebo gar zwei Persönlichkeiten, Nebo den Gott der Wissenschaften und Künste, und Nuzku, den Diener und Boten des Bel. – Wir sehen also hier schon völlig den mythologischen wie den astrologischen Charakter des Mercur vorgebildet.
Der geheimnisvolle Gatte Dumuzu (Tammuz) der Istar wurde ihr in seiner Jugendblüte entrissen und veranlaßte ihre Wanderung in das „Land ohne Heimkehr“, das Totenreich, wodurch er Anlaß zur Dichtung des ältesten Epos der Menschheit, die „Höllenfahrt der Istar“, gab. Da nun Dumuzu die Sonne ist, liegt diesem Mythus wohl der astronomische Vorgang des zeitweisen Verschwindens der Venus unter den Sonnenstrahlen zu Grund.
Die Planetengötter bilden die auf die höchste Trias folgende oberste Götterklasse und regieren mit ihnen nach Diodorus Siculus[2] die zwölf Monate und zwölf Zeichen des Tierkreises.
Auf Denkmälern, wie dem Obelisk des Salmanassar zu Nimrud und dem Monolithen des Assur-nasir-habal werden die obersten zwölf Götter folgendermaßen genannt:
„1. Anu, der König der himmlischen und irdischen Erzengel, König der Welt.
2. Bel, Vater der Götter, Schöpfer.
3. Ea, König des Oceans, Lenker des Schicksals, Gott der Weisheit und Erkenntniß.
4. Sin, Herr der Kronen, zum höchsten Glanz erkoren.