„In eurem Tempel haften wird sein Speer;
Da schlagen ihn die Feldherrn schütternd an,
Wann sie ausfahren über Land und Meer
Und um den Erdkreis ziehn die Siegesbahn.“
„Ihr habt vernommen, was dem Gott gefällt.
Geht hin, bereitet euch, gehorchet still!
Ihr seid das Saatkorn einer neuen Welt;
Das ist der Weihefrühling, den er will.“
Jupiter ist ferner Beschützer des Rechts und der Tugend, als Gott der Treue, Dius Fidius auch besonders des Ehebundes; – da später die Schwurformel me Dius Fidius identisch mit dem aus der Fremde eingedrungenen me Hercle wurde, hat man fälschlich diesen Gottesbegriff später auf Hercules übertragen. Nach Augustin (IV, 23) hätten die Römer auch einen gewissen rätselhaften (nescio quem) Summanus noch höher als Jupiter selbst geehrt. Indeß kann dieser Summanus schwerlich ein anderer, als Jupiter gewesen sein, zumal die Römer, wie Augustin berichtet, ihm die nächtlichen Blitze zuschrieben.
Der römische Mars ist in vieler Hinsicht eher mit der griechischen Pallas Athene als mit Ares, dem Kriegsgott zu vergleichen. Den bloßen Krieg personifizierte Bellona, eine weibliche Gottheit. Mars symbolisiert mehr das stetige Gerüstetsein zum Krieg, als den blutigen Kampf; darauf deutet schon der Wortstamm Mavors, Marmar, verwandt mit arma und dem sanskritischen wârajâmi d. h. schützen. Ihm war ein uraltes Heiligtum auf dem Berg Quirinus geweiht, alle vier Jahre wurde auf dem Marsfelde eine (militärische) Schätzung der ganzen Bürgerschaft vorgenommen, wobei ein Stier, ein Widder und ein Bock dreimal um das ganze Heer herumgeführt und dann geopfert wurde; dies war das erwähnte suovetaurilium. Sein Hauptfest fand im Frühling statt, das eingeleitet durch das Pferderennen, equirria am 27. Februar, im März selbst an den Tagen des Schildschmiedens (mamuralia), des Waffentanzes (quinquatrus) und der Drommetenweihe (tubilustrium) seine Haupttage hatte. Hierbei spielten die Salier eine Hauptrolle, wörtlich „Tänzer“, d. h. eine aus zwölf Mann bestehende geistliche Brüderschaft. Dieser anzugehören, rechneten sich die vornehmsten Männer, wie P. Scipio zur Ehre; ihr Anzug war eine bunte Tunika, über welche um die Brust ein breiter eherner Gurt gelegt wurde, eine verbrämte Toga, mittelst Hefteln gabinisch aufgeschürzt, eine eherne Spitzhaube (apex) und ein Schwert. In der rechten Hand hielten sie ein ehernes Stäbchen, in der linken den Schild, der an einem Riemen um den Hals hing. Dieser hatte ungefähr die Gestalt einer arabischen 8; daher wohl sein Name ancile (ἄγκυλος). Einer von diesen Schilden sollte zu einer Zeit, da eine Seuche in Rom wütete, vom Himmel gefallen sein, Numa hatte dann auf Anraten der Nymphe Egeria durch den Waffenschmied Mamurius die elf anderen diesem so täuschend nachmachen lassen, daß niemand mehr den echten vom unechten unterscheiden konnte. In der Prozession ging auch ein Mann, rings mit dicken Häuten umhangen, der den Mamurius vorstellte und ganz unbekümmert mit Stangen auf seinen Lederpanzer hauen und stoßen ließ. Das Debüt der Priesterschaft bestand in einem Waffentanz und Absingung von uralten Liedern, deren Sprache die Gelehrten zur Zeit Cäsars bereits nicht mehr völlig entziffern konnten. Von dem Waffentanze selber sagt Plutarch (Numa c. 13): „Das Meiste bei diesem Tanze haben die Füße zu thun und man sieht mit Vergnügen den Bewegungen der Tänzer zu, da sie nach einem geschwinden, lebhaften Takte allerhand Krümmungen und Wendungen machen, die eine besondere Stärke und Leichtigkeit verraten.“ Noch heute dürften uns die sog. Pyrrhischen Tänze der Arnauten und einiger anderer neugriechischer Stämme ein analoges Bild dieser uralten kulturhistorisch interessanten Tanzart gewähren. Die Salier waren von Dienern begleitet, denen sie in den Pausen die Ancilia übergaben. Dionysios erzählt, wie sogar ein römischer Prätor diesen Dienst seinem Vater ohne Widerrede leistete und dessen Schild trug, während sechs Lictoren ihm voranzogen.
Quirinus war der Genius der gesamten römischen Bürgerschaft (Quiriten). Vor seinem Heiligtum standen zwei Myrten, als Bundessymbole, die eine die patrizische, die andere die plebejische genannt. Sein Fest, die Quirinalia, wurde am 17. Februar gefeiert. Dieses Fest hieß auch das Fest der Dummen. Die Ursache dieses Namens gibt Ovid (Fasten II. 475) folgendermaßen an: „Vernimm auch, warum derselbe Tag das Fest der Dummen heißt. Die Ursach ist zwar gering, aber passend doch. Das Land unserer Vorfahren hatte keine geschickten Bebauer: wilde Kriege ermüdeten die thätigen Männer. Größern Ruhm erntete man durch Schwerdt, als durch die gekrümmte Pflugschaar; wenig trug der Acker, von dem Besitzer nicht geachtet. Doch Dinkel säten die Alten, und ernteten Dinkel: abgemäht brachte man Dinkel, als Erstlinge der Ceres dar. Durch Erfahrung belehrt legten sie ihn zum Dörren ans Feuer: litten aber durch eigne Fehler vielen Schaden. Denn statt des Dinkels kehrten sie bald schwarze Asche zusammen, bald brannten sie wohl gar mit Feuer ihre Hütten nieder. Daher schuf man sich die Göttin Fornax. Fröhlich aber beten zu ihr die Landbewohner, ihre Früchte nach Ordnung zu bereiten. Jetzt kündigt die Fornacalien mit feyerlichen Worten der Curie Maximus an: denn einen bestimmten festlichen Tag macht er nicht. Auf dem Forum wird jede Curie auf den vielen herumhängenden Täfelchen mit bestimmten Zeichen angedeutet. Aber der unwissende Teil des Volkes kennt seine Curie nicht und hält daher das zu feiernde Fest am Ende des Tages.“
Zur Seite Jupiters steht Juno, als Lichtgöttin auch Lucina genannt, die Himmelsgöttin, der Genius des Weibes. Das Hauptfest derselben, die Matronalien, wurde am 1. März, welcher Tag deshalb die Kalenden der Frauen hieß, von den Frauen gefeiert, der Sage nach zum Andenken an die Stiftung der Ehe durch Romulus und an das Verdienst der Frauen bei Vermittelung der Feindseligkeiten ihrer Sabinischen Väter und Brüder nach dem bekannten Raube. Sein Hauptgegenstand war Feier der Geschlechtsliebe und Gebet um ehelichen Segen. „Ja jetzt weicht endlich der Winter“, singt Ovid (Fasten III. 167ff.), „und von lauer Sonne erwärmt thauet der Schnee. Laub vom Froste gestreift bekleidet frisch die Bäume, und die lebende Knospe blüht aus dem zarten Rebenschoß hervor. Jetzt auch sucht sich das dichtsprossende Kraut, das lange die Erde barg, eine himmlische Bahn, um sich zur Luft zu erheben. Fruchttragend ist jetzt die Flur; jetzt ist die Zeit zur Erzeugung: jetzt werden auf grünem Gesproß die Nester und Häuschen von Vögeln gebaut. Mit Recht feiern Latiums Mütter diese Zeit, ihre Niederkunft fordert Kampf und Gelübde. – Günstig ist meine Mutter den Verlobten; drum ehret mich die Schaar der Mütter. Bringt der Göttin Blumen! An blühenden Kräutern ergötzt sich die Göttin: umkränzt euer Haar mit jungen Blumen! Flehet zu ihr: Du hast uns, Lucina, das Tageslicht gegeben. Sei auch dem Gelübde der Gebärenden hold! Doch welche Mutter schwanger ist, die bete mit aufgelöstem Haare: die Göttin möge sanft ihre Geburt erleichtern!“
Ein anderes Fest zu ihren Ehren wurde an den Nonen des Juli bei dem sog. Ziegenbaume gefeiert. Es war dies der alte Feigenbaum auf dem Comitium, ficus Ruminalis, unter dem vor Alters die Zwillinge Romulus und Remus von einer Wölfin gesäugt sein sollten. Die Feige (fica) hat übrigens noch jetzt in Italien eine Nebenbedeutung allerintimster Natur; der italienische Dichter Molza hat sie in einem aus wohlgefügten Terzinen bestehenden Lehrgedicht, der sog. Ficheis, besungen und noch dazu einen sehr deutlichen Kommentar verfaßt, in dem ebenfalls an den ficus Ruminalis als principio della Città di Roma erinnert wird. Die Feige bedeutet die weibliche „Natur“. Neben diesem Feigenbaum stand ein Ziegenbock, als Sinnbild der männlichen Zeugungskraft. „Verehelichte, was wartest Du?“ singt bei Gelegenheit dieses Festtages Ovid in den Fasten, „Du wirst nicht durch kräftige Kräuter, nicht durch Gebete, nicht durch Zaubergesänge Mutter werden. Es war eine Zeit, wo nach hartem Verhängnis die Mütter nur selten Pfänder der Geburt erzeugten. Was nützt mir's, rief Romulus, neun sabinische Mädchen geraubt zu haben. Da sprach die Göttin (Juno) in ihrem Haine wundersame Worte. In italische Mütter, rief sie, dringe ein haariger Bock ein! Es staunte der Haufe erschreckt über die zweideutigen Worte. Ein Seher war da; sein Name ist vergessen, er war eben als Fremdling aus etruskischem Lande gekommen. Dieser schlachtet einen Bock; auf seine Belehrung reichten die Frauen ihren Rücken zum Schlag mit den ausgeschnittenen Riemen dar. Der Mond nahm bei dem zehnten Umlauf neue Hörner wieder, und es waren Gatten auf einmal Väter und Verehelichte Mütter.“
Zu diesem Feigenbaum also wallfahrteten die römischen Matronen, unter ausgelassenen Scherzen, (ich erinnere an die griechischen Thesmophorien [S. 531]), allerlei männliche, glückbringende Namen rufend, wie Lucius, Gajus u. s. w. Beim Feigenbaum angelangt verrichtete man ein Opfer, wobei Saft des Feigenbaums anstatt der Milch gebraucht wurde, und schmauste, von seinen Ästen beschattet und mit seinen Zweigen geschmückt.
Weil der Ziegenbock Symbol männlicher Zeugungskraft war, so galt die Berührung alles dessen, was von ihm kam, als ein Mittel, die Fruchtbarkeit zu fördern und den Einflüssen dieselbe hindernder Dämonen entgegenzuwirken.