Der Juno untergeordnete Hilfsgenien waren Subigus (id est deus qui adest, ut nova nupta a viro subigatur), Prema (id est dea, quae facit, ut ne virgo se commoveat, quando a sponso premitur), Pertunda (id est dea, quae in primo concubitu naturam feminae pertundere dicitur), und endlich Perfica (welches Wort entweder mit fica, siehe oben [S. 634], oder mit perficere = vollenden zusammenhängt).
Man sieht also, wie die Römer den Akt der Begattung bis aufs einzelste analysierten und besondere Genien darfür aufstellten.
Nach der Konzeption war es wieder Juno Fluonia, die den menses Einhalt that, bis endlich Juno Lucina die Geburt ans Tageslicht förderte.
Übrigens war es nicht bloß die Fruchtbarkeit, sondern auch die Heiligkeit der Ehe, die dieser Göttin am Herzen lag. Unkeuschheit und alle ungeordnete Befriedigung des Geschlechtstriebes war ihr ein Gräuel. Ein Gesetz des Numa lautet also:
„Eine Buhlerin soll den Altar der Juno nicht anrühren: thut sie es, so soll sie der Juno mit herabhängenden Haaren ein weibliches Lamm schlachten.“
Ungeachtet all der unverhüllten Natürlichkeit, die aus den mitgeteilten Kultushandlungen hervorleuchtet, galt bekanntlich den alten Römern die Ehe in demselben Maße als heilig, in dem sie den späteren Römern der Kaiserzeit profan und frivol war; die gestörte Eintracht zwischen den Ehegatten stellt Juno Conciliatrix oder Viriplaca wieder her, die einen Tempel auf dem Palatin besaß; und da sie die Ehen beständig erhielt, verdiente sie auch den Beinamen Manturna; es ist bekannt, daß in Rom fünfhundert und zwanzig Jahre lang keine Ehescheidung vorfiel.
Eine spezifisch römische Gottheit war sodann der zweiköpfige Janus. Ihn charakterisieren wir wohl am besten, mit den Worten Ovids (Fasten I. 90ff.): „Doch für welchen Gott soll ich Dich ausgeben, zweigestalteter Janus? Denn kein dir ähnliches Wesen besitzt Griechenland. Sage zugleich die Ursache, warum du allein von den Himmlischen das was dir von hinten ist, erblickst, und das, was vorn ist. Ich nahm die Tafeln, und als ich es bei mir im Sinne überdachte, schien mir heller als vorher meine Wohnung zu sein. Darauf erschien plötzlich der heilige Janus, wundersam zu schauen, mit doppeltem Bilde, darstellend meinen Augen sein zwiefaches Antlitz. Ich staunte, fühlte vor Angst erstarrt meine Haare, und eiskalt mein Herz vom überraschenden Schauer. Er, ein Scepter in der Rechten, und in der Linken einen Schlüssel, sprach aus dem vorderen Antlitz zu mir diese Worte: Entferne deine Furcht, o Sänger, der du bemüht um die Tage bist, höre, was du bittest, und fasse meine Worte in deine Seele. Mich nannten die Alten (denn ein uraltes Wesen bin ich) Chaos. Siehe, welche längst vergangene Begebenheiten ich verkündige! Diese durchsichtbare Luft und die noch dann übrigen Körper, Feuer, Wasser und Erde, waren einst nur ein Chaos. Sobald aber diese Masse in einem Streite ihrer Lage sich trennte, und aufgelöst in neue Wohnörter ging, so erhob sich das Feuer in die Höhe, der benachbarte Raum nahm die Luft ein, und im mittlern Raume lagerten sich das Meer und die Erde. Damals nahm ich wieder, der ich eine Kugel gewesen war und eine bildlose Masse, Gestalt an, und göttliche Glieder. Auch noch jetzt ist ein kleines Merkmal der einst verwirrten Gestalt übrig; denn es wird an mir dieselbe Gestalt vorwärts und rückwärts gesehen. Vernimm nun die andere Ursache der angenommenen Gestalt, damit du diese und meine Geschäfte kennest. Alles, was du nur siehst, Himmel, Meer, Wolken und Erde, ist alles von meiner Hand verschlossen oder steht offen durch sie: bei mir allein ist die Bewachung der weiten Welt, und mein ist das Recht, die Angeln zu drehen. Wenn es gefällt, aus ruhiger Wohnung den Frieden zu schicken, so wandelt er frei und ununterbrochen auf der ganzen Erde; aber von mordbringendem Blute wird der weite Erdkreis erfüllt werden, wenn nicht starrende Schlösser die erregten Kriege verwahren. Ich bewache die Thore des Himmels mit den gütigen Horen, und selbst Jupiter geht und kehrt zurück durch meinen Dienst. Darum werde ich Janus genannt; und bringt mir der Priester auf den Altar cerealische Kuchen und mit Salz vermischten Dinkel: so wirst du meine Namen belachen, denn bald heiße ich dann im Munde des Priesters Patulcius und bald Clusius. Denn wisse, es wollte jenes rohe Altertum durch den abwechselnden Namen meine verschiedenen Ämter andeuten. Erzählt hab ich dir meine Gewalt: so vernimm nun den Grund meiner Bildung. Doch auch du erkennst ihn schon zum Teil. Jede Thür hat von innen und außen doppelte Seiten, deren eine nach dem Volke, die andere aber nach dem Hausgotte blickt. Und so wie bei euch der Wächter der Thür, sitzend an der Schwelle des Eingangs des Hauses, allein Aus- und Eingang bemerkt: so erblicke auch ich, der Pförtner des himmlischen Hofes, die Gegenden von Osten und Westen zugleich. Hekates Antlitz siehst du nach dreien Seiten zu wenden, um die in drei Wege zerschnittenen Straßen zu schützen; drum kann auch ich, um durch des Nackens Beugung nicht Zeit zu verlieren, ohne des Körpers Bewegung nach zwei Seiten blicken. So sprach er, und zeigte durch Miene, daß er, wenn ich wünschte noch mehr zu erforschen, sehr bereitwillig gegen mich sein würde. Mut faßte ich, und dankte unerschrocken dem Gotte, und sprach wenige Worte zur Erde hinschauend: Sage mir, wohlauf, warum das neue Jahr mit Kälte beginnt, das wohl besser mit dem Frühling begänne; dann blüht alles, dann ist das Alter der Zeit verjüngt; und aus fruchtschwangerem Rebenschoß bläht sich der junge Keim: der Baum wird von neu gesproßten Reben bekleidet, und ragend erhebt sich über den Boden der Halm der Saat: Vögel bezaubern dann auch die laue Luft mit Konzerten, und auf den Wiesen spielt und ist fröhlich das Vieh. Dann ist lieblich die Sonne und es naht sich die fremde Schwalbe, und erbaut unter erhabenem Gebälk ihr Häuschen aus Koth. Dann läßt der Acker Bestellung zu, und wird durch den Pflugschar verjüngt. Dieses müßte mit Recht des Jahres Verjüngung heißen. Wortreich hatt' ich gefragt: er aber, ohne mich lange zu verweilen, schränkte seine Rede auf diese zwei Verse ein:
Neu erhebt sich die Sonne und endet sich alt im Winter;
Gleich ist der Anfang, den nimmt Phöbus zugleich mit dem Jahr. –
Aber warum bist du im Frieden verborgen, und warum eröffnest du deinen Tempel bei erregten Kriegen? Er weilte nicht; vom Gefragten gab er mir den Grund an. – Damit dem Volke, wenn es zum Krieg geeilt ist, die Rückkehr offen stehe, steht auch meine Thür offen und das Schloß ist hinweg. Im Frieden verschließ' ich die Thore, damit nirgends der Ausgang vergönnt sei; und lange werde ich unter Cäsars göttlichem Schutze verschlossen bleiben. Sprachs, und erhebend die Augen, die hier und dort hinblickten, sah er alles, was auf dem weiten Erdkreise lebte. Friede wars, und schon hatte der Rhein, die Ursache deines Triumphs, Germanikus! dir seinen Strom zur Knechtschaft übergeben. O Janus, mache ewig den Frieden, und ewig dauernd die Friedensstifter; und gewähre, daß der Dichter sein Werk nicht unvollendet lasse!“