Wir sehen also in dem akkadischen Beschwörungsritual den ganzen Modus der mittelalterlichen Teufelsbeschwörungen vorgebildet, und wie dort die Maskim durch Silik-mulu-khi, den Sohn des Ea, und den „allmächtigen, geheimnißvollen Namen“ Eas beschworen werden, so werden hier die sieben Kur- oder Großfürsten der Hölle durch Jesum Christum, Gottes Sohn, und die geheimnisvollen kabbalistischen Namen Gottes citiert und wieder entlassen. Ja, der „allmächtige, geheimnißvolle Name“ der Akkader erinnert sogar an die Worte des Goetheschen Fausts, mit welchen dieser den in Pudelsgestalt hinter dem Ofen hockenden Mephistopheles apostrophiert:

„Verworfenes Wesen,
Kannst du ihn lesen,
Den nie entsprossenen,
Unausgesprochenen,
Durch alle Himmel gegossenen,
Freventlich durchstochenen?“

Die akkadisch-chaldäischen Planetengötter und Maskim wurden im Parsismus zu den Amschaspands und Devs, bei den Juden zu den Erzengeln und Dämonen der Planeten, bei den Neuplatonikern zu den Weltfürsten und den Fürsten der Materie, und bei den mittelalterlichen Magiern endlich zu den Planetenintelligenzen und Großfürsten der Hölle.

Die andern Naturgeister wurden nicht zu den eigentlichen Dämonen gezählt, sondern – wie der keilschriftliche Ausdruck lautet – als „an sich selbst böse Geister“ angesehen. Namentlich waren dies die Geister heißer und ungesunder Winde, welche in Verbindung mit den klimatischen Verhältnissen Chaldäas die Ausbildung und Verbreitung ansteckender Krankheiten begünstigten. Noch die Magie der nachreformatorischen Zeit läßt die vier Kardinalwinde von den Teufeln Oriens, Paymon, Egyn, Amaymon beseelt sein, und noch Robert Fludd schrieb in seiner Medicina catholica einen stattlichen Folioband, worin er die Entstehung und Heilung aller Krankheiten durch die Geister der Winde detailliert.

Die Thätigkeit der übrigen, unbestimmt klassifizierten akkadischen Dämonen ist auf die Vorgänge des täglichen Lebens gerichtet, und eine Beschwörung sagt hierüber Folgendes:

„Sie sind der Hölle Ausgeburt,
Sie tragen den Umsturz nach oben, sie bringen Verwirrung nach unten.
Sie sind das Gift in der Galle der Götter, die großen Tage, die vom Himmel sich weg stehlen.
Sie fallen als Regen vom Himmel, sie sind die der Erde entsprossenen Kinder.
Sie drängen sich rings um hohe Gerüste, um geräumige Gerüste.
Sie dringen aus einem Hause in das andere,
Sie werden von den Thüren nicht abgehalten,
Sie werden von den Riegeln nicht aufgehalten,
Sie schleichen zwischen den Thüren hindurch wie Schlangen,
Sie verhindern die Schwängerung des Weibes durch den Gatten[6],
Sie stehlen die Kinder vom Schooße des Menschen[7],
Sie vertreiben den Besitzer vom väterlichen Hause,
Sie sind die Stimme, die den Menschen verflucht und verfolgt.“

Diese Dämonen wohnen in Einöden und Wildnissen[8], von wo aus sie in bewohnte Ländereien einfallen, um die Menschen zu schrecken und zu schädigen. Sie werden in den Beschwörungen nach ihren Wohnorten klassifiziert, nach der Wüste, rauhen Berggipfeln, pesthauchenden Sümpfen und dem Meere. Ferner heißt es an einer Stelle, daß der utuk die Wüste bewohne, der alad sich auf den Berggipfeln aufhalte, der gigim die Wüste durchstreife und der telal in den Städten umherschleiche.

Von allen bösen Einwirkungen, welche die Dämonen auf die Menschen ausüben, ist die Besessenheit am meisten gefürchtet, und es giebt zahlreiche Sprüche und Beschwörungen zur Heilung derselben. So heißt es z. B.:

„Den Dämon, der sich des Menschen bemächtigt, den Dämon, der sich des Menschen bemächtigt,
Den gigim, der das Üble anthut, den bösen Dämon,
Geist des Himmels, beschwöre ihn! Geist der Erde, beschwöre ihn!“

Wenn die Dämonen aus den Besessenen vertrieben waren, so suchte man zum Schutz gegen ihre Wiederkehr durch Beschwörung dahin zu wirken, daß nach Ausfahrt des bösen Geistes ein guter in den Leib des Besessenen fahre. In diesem Sinne sagt eine Beschwörung: