Die Moral der Gnostiker war meist sehr streng, strenger, als die Kirche verlangte. Sie war Askese, unbedingte Entfernung von der Materie und allen sinnlichen Genüssen. Denn die Verstrickung in der Materie war es ja, die den edlen Geist des Menschen hemmt und fern hält von Gott. Nach den Gnostikern ist der Gott der Juden nicht der höchste. Er hat ja die Welt erschaffen, diese Materie. Ferner ist der Gott der Juden ja der Gott des Zornes. Der wahre Gott ist der Gott der Liebe. – Damit verbunden war der Doketismus, die Lehre, daß Christus nur einen Scheinleib gehabt und nur zum Scheine gelitten habe und gekreuzigt sei. Denn als reiner Geist dürfte er sich mit der Materie nicht beflecken.
Die Darstellung der Gnostiker war mythologischer Art, wüst und für uns ungenießbar, ähnlich der des Juden Philo. Aber für die damalige Geschmacklosigkeit der philosophastrischen Schriftstellerei fiel das nicht auf; auch der Neuplatonismus kleidet sich ja mit Vorliebe in ein mythologisches Gewand.
Die Namen der Gnostiker aufzuzählen, lohnt sich nicht der Mühe. Einer der berühmtesten war Valentin, der um 140 n. Chr. in Rom lehrte.
Nächst diesem war der bedeutendste Mani, der Stifter der Manichäersekte. Mani stammte aus Persien, er lebte und lehrte gegen Ende des 3. Jahrhunderts. Sein Dualismus beruht auf demselben Gedanken, wie der Zarathustras, dessen Lehre er mit dem Christentum zu verschmelzen suchte.
Der Kirchenvater Augustin ist zehn Jahre lang Manichäer gewesen.