[Erstes Kapitel.]
Die Druiden.
Wir bringen Kelten und Germanen unter einem „Buche“ zusammen, weil beide Rassen innerhalb der arischen Gesammtrasse sich nicht nur räumlich, sondern auch verwandtschaftlich besonders nahe gestanden haben. Die Kelten werden uns von den alten Schriftstellern als hochgewachsene Menschen mit blauen Augen und blondem oder rötlichem Haar geschildert. Menschen von kampflustiger, ritterlicher Gesinnung, aber deren unbändige Leidenschaftlichkeit und Rivalitätssucht, wie besonders Cäsars Kommentarien beweisen, zum Untergang ihrer staatlichen Bildungen und somit zuletzt zum Untergang der Art und Sprache führte, so daß das Keltenblut jetzt nur noch als allerdings erheblicher Mischbestandteil im Franzosen und Briten von Bedeutung ist.
Abgesehen von einzelnen seltsamen Absplitterungen, z. B. den Galatern in Kleinasien, nahmen die Kelten oder Galler, wie sie selbst sich nannten, – jetzt hat sich das Stammwort nur noch in den „Gäler“ erhalten, – zur Zeit, wo die erste historische Kunde von ihnen auftritt, etwa das Gebiet des heutigen Frankreich, Nordspanien, Nord-Italien und Britannien und Irland ein.
Offenbar standen sie, ebenso wie die vielfach auch gar zu barbarisch aufgefaßten Germanen, deren höhere Gesittung schon Justus Möser nachgewiesen hat, auf einer nicht unverächtlichen Zivilisationsstufe. Das beweist schon ihr Äußeres. Ihre Kleidung bestand aus bunten wollenen Leibröcken, über die sie einen Gürtel von Gold oder Silber trugen, aus langen Hosen und kurzem Flausmantel; goldene Bänder zierten die Handwurzeln und den Arm, goldene Ringe die Finger und Ketten von gleichem Metall den Hals. Mannshohe Lederschilde mit bunten Malereien, eherne Helme mit wappenmäßigen Zierraten, eiserne Panzer, oft aus Draht geflochten, lange starke Schwerter, an eisernen Ketten an der Seite getragen, und Stoßlanzen ihre Waffen. Sie waren berühmt wegen ihrer Geschicklichkeit in der Herstellung von Glaswaren, auch als Goldschmiede und Münzmeister.
Das Religionssystem der Kelten würde gewiß, da es eine besonders hochentwickelte Geheimlehre dieser hocharistokratisch angelegten Rasse war, vom occultistischen Gesichtspunkte aus unser Interesse ganz besonders in Anspruch nehmen, wenn wir nur mehr glaubwürdige Berichte über seine Einzelheiten besäßen. So aber liegt die Gefahr nahe, den sog. Neo-Druidismus, der von einigen modernen wälischen Schriftstellern erfunden ist, kritiklos mit der alten Geheimlehre der Kelten zu verwechseln.
Wir werden uns daher zunächst lieber mit einer zwar allgemeinen, aber zuverlässig getreuen Skizzierung ihres Systems begnügen.
Die echten Kelten zerfielen in die beiden Stände der Druiden und Krieger. Das gemeine Volk, auch seinem Äußeren nach teilweise als von anderem Aussehen geschildert, – schwarzhaarig, kleiner gebaut, – bestand wohl größtenteils aus der autochthonen unterworfenen Rasse.
Während der Krieger-Adel sich ausschließlich der Waffenübung und der Jagd widmete, waren die Druiden im Besitz aller religiösen und profanen Wissenschaften, Priester, Rechtsgelehrte, Naturforscher und Philosophen in einer Person. Dies erinnert auffällig an das indische Verhältnis der Braminenkaste zur Kriegerkaste der Kschatriyas.
Der Name „Druiden“ wird meistens, aber mit Unwahrscheinlichkeit, von dem griechischen δρυς = Eiche hergeleitet, da die keltischen Heiligtümer mit Vorliebe in Eichenhainen angelegt seien; wahrscheinlicher stammt er vom keltischen Dryw, wälisch Derwydd, in Wallis heute noch das Wort für einen „weisen Mann“.