Die Druiden scheinen zwar meistens verheiratet gewesen zu sein und einzeln unter ihren Mitbürgern gewohnt zu haben, obwohl andererseits auch klösterliche Vereinigungen erwähnt werden[870], jedenfalls aber standen sie in strenger Ordenszucht. Sie trugen eine besondere Ordenstracht; kurzes Haupthaar, den Bart aber lang. Die höheren Grade trugen golddurchwirkte Kleider, goldene Halsketten, Armspangen. Ihre Insignien waren ein weißer Stab, Slatan drui eachd oder Zauberstab genannt; ferner die Druidenknöpfe, deren Verschiedenheit vielleicht mit der Höhe des Grades zusammenhing, und das in Gold gefaßte Schlangenei, vermutlich die Auszeichnung des höchsten Grades.

In einzelnen uns bewahrten Darstellungen trägt der Druide auch das Bild des gehörnten Mondes, wie er sechs Tage nach dem Neumonde erscheint, in der Hand, oder ein Füllhorn mit darüberschwebendem Monde. In allen Abbildungen erblickt man aber auf den Schuhen des Druiden das sog. Pentalpha, nämlich zwei sich durchkreuzende Dreiecke:

Jeder freie und edle Jüngling konnte in den Druidenorden aufgenommen werden. Der Unterricht wurde durchweg nur mündlich erteilt, weil man den Gebrauch der Schrift, den man selbstverständlich sehr wohl kannte, bei dem Charakter der Geheimlehre, der durch die Schrift bedroht ward, für unerlaubt und schädlich hielt. Auch meinte man, daß nur durch das lebendige Wort, nicht durch den toten Buchstaben sich das Heilige tief und unvertilgbar dem Geiste einpräge. Durch den Gebrauch der Schrift würde auch das Gedächtnis geschwächt und eine oberflächliche Buchgelehrsamkeit gezüchtet. Sofern die Druiden sich der Schrift bedienten, benutzten sie die griechischen Schriftzeichen, die ja auch auf dem Pentalpha erscheinen. Außerdem bedienten sie sich der Runen- oder Stabschrift. – Die Unterrichtsplätze waren abgelegene Wälder und Höhlen, und der Unterricht selbst dauert zwanzig Jahre. Ihr Wissen muß in manchen Richtungen von großer Tiefe gewesen sein; so spricht sich z. B. Quintus Cicero, der bekannte Unterfeldherr Cäsars und Bruder des Redners, indem er sich seines vertrauten Umgangs mit dem Druiden Divitiacus rühmt, voll Bewunderung darüber aus. Da indeß ihre Wissenschaft Geheimlehre war, ist uns wenig Zuverlässiges darüber erhalten. Aus Macrob. Sat. I, 21 läßt sich schließen, daß sie die Kugelgestalt der Erde gelehrt haben.

Astronomie war eine ihrer Hauptwissenschaften; Cäsar sagt, daß sie über die Größe und Gestalt der Erde Untersuchungen anstellten. Sie zählten die Zeit nicht nach Tagen, sondern nach Nächten, was sich in der englischen Sprache (fortnight) noch erhalten hat. Nach Diodor, der uns mitteilt, daß sie in Übereinstimmung mit dem Jahre des Meton, den Mondcyklus auf 19 Jahre berechnet haben und sich eingehend mit den Erhöhungen der Mondkugel beschäftigen, möchte man annehmen, daß ihnen schon der Gebrauch vergrößernder Linsen zur Fernsicht bekannt gewesen. Richter bei Ersch und Gruber S. 490 möchte die sog. Druidenknöpfe, aus Krystall oder Glas geschliffene Linsen, die man bis zu 1½ Zoll Durchmesser findet, damit in Zusammenhang bringen.

Nach Strabon (IV, 4) nahmen sie an, die Welt sei aus Nichts entstanden, sie sei unvergänglich, aber Feuer und Wasser werde dereinst alles überwältigen.

Dies sowie das symbolische Schlangenei, ein Sinnbild der Welt, erinnert sowohl an den indischen wie an den ägyptischen Occultismus.

Besondere Achtung genoß ihre ärztliche Kenntnis.

Unter den mannigfachen Heilkräutern, deren Entdeckung ihnen Plinius (H. N. VIII, 41. XXV. XXV. XXX. XXXII.) zuschreibt, nahm die Mistel[871] die erste Stelle ein.

„Unbekannt mit der Natur der Schmarotzerpflanzen“, meint Richter a. a. O., „mußte es ihnen als ein Wunder erscheinen, daß dieselbe nicht auf dem Boden, wie alle anderen Pflanzen, sondern auf Bäumen wuchs und hier ohne Samen erzeugt zu sein schien.“ „Vorzüglich gesucht war die auf Eichen wachsende Mistel. Denn die Eiche war im gallischen Glauben der heiligste Baum, Eichenlaub ward bei jedem Gottesdienste gebraucht; in Eichenwäldern wohnten die Druiden, unter Eichen hielten sie ihre Gerichtsstätte. Was aus ihr hervorkam, war ein Zeichen göttlicher Gnade, und da überdies die Mistel selten auf Eichen gefunden wird, so galt eine solche umsomehr als göttliches Geschenk. Sie wurde mit großer Feierlichkeit abgenommen und zwar am sechsten Tage nach dem Neumonde; unter dem Baume wurde zuerst ein Opfer und ein Mahl bereitet und nach dem Schmause ein zum ersten Male unter das Joch gekommenes Rinderpaar herbeigeführt. Dann stieg der Druide im weißen Gewande auf den Baum, schnitt die Mistel mit einer goldenen Sichel ab und ließ sie in einem weißen Manteltuche auffangen. Nun wurden die Rinder geschlachtet und die Götter angerufen, daß sie denen, welchen sie diese Gabe erteilt, dieselbe zum Heile gedeihen lassen möchten. Die Mistel wurde teils allein, teils mit anderen Stoffen gemischt gebraucht, so wohl äußerlich als innerlich. Man wandte sie gegen Geschwulst, Verhärtung, Kröpfe, Geschwüre, und Klauenfäule an; sie reinigte das Rindvieh und machte es fett, sie war ein Mittel gegen alle Gifte, und war sie im Neumonde gesammelt und zwar ohne Gebrauch des Messers und ohne daß sie die Erde berührte, so half sie gegen die fallende Sucht. Sie machte sogar alle Tiere und die Weiber fruchtbar, wenn sie dieselbe bei sich trugen. Daher hieß sie in der Sprache der Druiden die Alles Heilende.“