[Zweites Kapitel.]
Gottesdienst und Geheimlehre der Druiden.

Ein häßlicher Makel, der an dem Gottesdienst der sonst anscheinend geistig so hoch stehenden Druiden klebt, ist die Vorliebe für Menschenopfer.

„Das ganze gallische Volk“, schreibt Cäsar, „ist außerordentlich dem Opferdienst ergeben. Darum schlachten oder geloben diejenigen, die in schweren Krankheiten liegen oder in Schlachten und Gefahren sich befinden, Menschen zu Opfern, welche die Druiden verrichten. Denn sie glauben, daß der Geist der unsterblichen Götter nicht anders befriedigt und versöhnt werden könne, als wenn für das Leben des einen Menschen das des andern hingegeben würde. Sie haben daher auch Staatsopfer dieser Art. Bei einigen gallischen Völkern giebt es Bilder von ungeheurer Größe, deren Gliedmaßen mit Weiden geflochten sind und mit lebendigen Menschen angefüllt werden, die dann durch Verbrennung des hölzernen Bildes getötet werden. Sie glauben, daß die Todesstrafe der auf der That ergriffenen Diebe, Räuber und Verbrecher überhaupt den Göttern angenehm sei, aber, wenn sie dergleichen Leute nicht haben, so geht es auch an die Unschuldigen.“ Caesar, de bello Gallico VI, c. 16.

Die Staatsopfer wurden nach Diodor Sic. V, 31. 32. zum Zweck der Erforschung der Zukunft dargebracht; man hieb dem Opfer mit einem Schwert in die Herzgrube und ließ ihn fallen, aus dem Fall, den krampfhaften Zuckungen der Glieder und der Blutung glaubte man die Zukunft erschließen zu können.

Die Hauptgottheit, die in der exoterischen Druidenreligion verehrt wurde, nennt Cäsar Merkur. Der gallische Name scheint Teutates gewesen zu sein.

Die römische Bezeichnung desselben als Merkur wird begreiflich, wenn wir erfahren, daß Teutates Seelenführer war.

Die Seelenlehre aber, insbesondere die Lehre von der Seelenwanderung bildete die Hauptsache im keltischen Volksglauben.

Nach dem Vordersatz der über Teutates berichteten druidischen Triade war er der allgemeine oder Weltgeist, nach dem Mittelsatz Seelenführer und nach dem Schlußsatze das Getriebe der lebendigen Welt.

Die zweite Gottheit war Esus oder Hesus, romanisiert Mars. Die Triade über ihn lautet: 1. Vor der Schlacht wird ihm meistens die Kriegsbeute gelobt; 2. nach derselben die gefangenen Tiere geopfert; 3. das Übrige (Waffen und Geräte) auf Einen Ort zusammengetragen.