Die dritte allgemeine Gottheit hieß Taranis (vom keltischen Taran, der Donner), von den Römern als Jupiter gedeutet.
Nächst dieser Trias, die meistens auf die Ober-, Mittel- und Unterwelt bezogen wird, war der von Cäsar als Apollo bezeichnete Belin, Belen oder Abelio der wichtigste. Orakelwesen und Heilkunst war seine Hauptfunktion. Eine Mondgöttin, Belisana, scheint der egyptischen Isis oder der Minerva ähnlich gedacht zu sein.
Eine große Rolle im keltischen Volksglauben spielten die Geister und Gespenster, besonders eine Art von Incubi, gallisch Dusii genannt, ein Wort, das noch im englischen Duce oder Dewce, Teufel, nachklingt. Die Gallier gaben ihnen eine Gestalt wie den Frauen und glaubten, sie beschliefen die Frauen unter der Gestalt ihrer Liebhaber.
Schon zu Cäsars Zeit war der Hauptsitz des Druidentums England; ganz besonders heilig war ihm die Insel Mona.[872] Hier, und abgesehen von Man, in Wales haben sich auch die meisten Denkmäler des keltischen Glaubens erhalten; und zwar nicht nur die berühmten Steindenkmäler; auch das Bardentum hat sich wenigstens in Wales unter oberflächlicher christlicher Gewandung bis weit in die christliche Ära hinein erhalten und es soll nach den Nachrichten von W. Owen und Williams (vergl. Mona, S. 468) das Druidentum in dieser Form sogar bis auf unsere Zeit fortgesetzt worden sein (Neo-Druidism). Es soll nämlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts von alten Anhängern der druidischen Geheimlehren des sog. bardischen Kollegium in Glamorgan gestiftet sein. Owen freilich bemerkt dazu, es sei zwar Thatsache, daß die wälischen Barden nicht ausgerottet worden und insbesondere, daß sich neue Gesellschaften, die an das alte Bardentum der Druiden anknüpften, im dreizehnten Jahrhundert gebildet haben, daß jedoch der Stuhl von Glamorgan sich weit überschätzt und kein alt-druidisches Bardentum mehr bewahrt habe.[873]
Doch mag dem sein, wie ihm wolle, so verdanken wir wenigstens dem wälischen Bardentum die Rettung uralter keltischer Litteraturstücke, unter denen eine Art keltischer Edda, The Myvyrian, archaeology of Wales, collected out of ancient manuscripts, London 1801–1807, an der Spitze steht.
Und aus dieser Litteratur lassen sich Rückschlüsse auf einige Teile druidischer Geheimlehren machen. Fast alle der uns erhaltenen Bardenlieder sind Triaden, d. h. ihr Inhalt ist in drei Teilen geordnet. Eine der interessantesten mythologischen Triaden ist die von Hu gadarn, dem mächtigen Hu.
Hu (sprich Hy) war ein Führer, der der Tyrannei widerstrebte und daher das Volk von Defrobani, aus dem Lande ewiger Feindschaft, nach Wales brachte. Er lehrte das Volk den Ackerbau und war einer von den drei großen Werkmeistern, weil er sein Volk in gesellschaftliche Ordnung brachte. Er bestimmte als einer von den drei Meistern des Gesanges die Dichtkunst zur Bewahrerin der Wissenschaft. Mit seinen Buckelochsen (Yehain Banaweg) verrichtete Hu eine der drei großen Heldenthaten, er ließ nämlich den Avanc (Biber) aus dem Llyn Llion (der Wasserflut) herausziehen, wodurch die Überschwemmung der Erde aufhörte.
Nach Owen heißt Defrobani Sommerland und soll darunter, weil die Triaden den Zusatz haben „wo nun Konstantinopel steht“, die heutige Krim(?) verstanden werden. Andere wollen Hu, da von einer Überschwemmung die Rede ist, mit der Sintflut in Verbindung bringen. Mone legt dem Mythus eine tiefere Bedeutung zu Grunde: Nicht eine Flut-, sondern eine Schöpfungssage ist im Hu gadarn aufbewahrt. Wasser ist der Anfang aller Dinge, der Biber (Avanc) ein heimatliches Wassertier Bild für die Ursache des Wassers; so lange er in demselben lebt, nimmt er nicht ab, nur der starke Hu war imstande, ihn mit seinen drei Ochsen herauszuziehen, wodurch die Flut sank und die Welt erschaffen ward. Er hat also die Natur der Schöpfungsstoffe geteilt in Festes und Flüssiges, wofür der Biber, der mit dem Leibe dem Lande, mit dem Schwanze dem Wasser angehört, ein zutreffendes Bild bietet. Die Welt erhebt sich auch bei den Kelten, wie bei den Germanen im Frühjahr; denn der Stier (Buckelochse) ist das Sternbild des Frühlings; er trieb den Biber heraus, d. h. er brachte den Kern der Welt zur Krystallisation. Nach Erschaffung der Welt, d. h. nach der Teilung der Weltkräfte ordnet sie der weise Hu; der Stier, der die Welt erschaffen half, wird nun von seinem Herrn zur Jahresordnung bestimmt; er bringt das Jahr, zieht den Pflug wie der Biber und ruft dadurch Heil und Segen aus der Erde, wie einst aus dem Wasser hervor. Die Ordnung der Welt ist die Harmonie der Sphären, das himmlische Saitenspiel, darum Hu auch der Erfinder des Gesanges, und dieser soll ein Sinnbild des Einklangs der Welt sein. Auch Staat und Gesellschaft sind Anstalten des mächtigen Hu; denn sie sind Folgen der Weltordnung, und seine Feindschaft gegen die Tyrannei, d. h. gegen die über ihre Grenzen getretenen Kräfte, hängt damit zusammen. Darum ist er auch der Eroberung feind, denn sie schreitet über Maß und Ordnung, und sein Volk soll in Gerechtigkeit und Frieden leben.
„Hu“, singt der Barde Jolo Goch, „ist der Herr, der bereitwillige Beschützer, der König und Geber des Weines und Ruhmes, Kaiser über Land und Meere und des Leben alles dessen, was in der Welt ist. Er ist der größte, der Herr über uns, wie wir redlich glauben, und der Gott des Geheimnisses. Licht ist sein Weg und Rad, ein Teil desselben Sonnenscheins sein Wagen, groß ist er in Land und Meeren, der größte, den ich sehen werde, größer als die Welten.“
Darnach war Hu die Gotteinheit der britischen Kelten. Im Tode heißt er Aeddon; dieser Name erinnert an Adonai und Adonis; sein Tod ist eine bloße Verwandlung, keine Zerstörung. Es gab Mysterien vom Tode des Hu, ähnlich den griechisch-thrakischen Mysterien vom Tode des Zagreus-Dionys.