Auch die Schwarzkünstler vermögen Vampyre aus dem „Land ohne Heimkehr“ heraufzubeschwören und die Gegenstände ihres Hasses von ihnen peinigen zu lassen.

Da man sonach an die Citation Verstorbener glaubte, so lag es sehr nahe, die von den Schranken des Raumes und der Zeit befreiten Geister der Verstorbenen über die Zukunft zu befragen, und die Nekromantie mußte sich folgerecht entwickeln. Über die Ausübung der Nekromantie habe ich anderwärts[72] schon das Nötige gesagt. Hier will ich nur rekapitulieren, daß wir uns aus dem alten Testament ein ungefähres Bild von der Totenbeschwörung der Chaldäer entwerfen können.

Der biblische Ob ist ein unsauberer Geist, ein Totengeist, welcher in dem Körper eines Mannes oder einer Frau wohnt und von hier aus die Zukunft offenbart, entsprechend dem jidoni, dem „Wissenden“ oder „Belehrenden“, welcher fast immer mit den oboth zusammen genannt wird. Es ist dabei zu bemerken, daß die Worte oboth und jidonim sowohl für die Geister selbst als die von ihnen Besessenen gebraucht werden.

Das Letztere ist nicht nur der Besprechung der Hexe von Endor durch Josephus[73] sondern auch daraus zu entnehmen, daß die Septuaginta wiederholt oboth mit ὲγγαστρίμυϑοι übersetzt, sowie überhaupt aus den charakteristischen Ausdrücken, deren sich die Propheten bei der Schilderung der oboth bedienen.

Ziehen wir nun die ausdrückliche Angabe des Jamblichus, daß die Babylonier mittelst ihrer Σακχοίρας die Geister der Toten über die Zukunft befragten, in Betracht, und erwägen wir, daß ob kein semitisches Wort ist, sondern vom akkadischen ubi, „strafwürdigen Künsten obliegen“, abstammt, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die hebräische Nekromantie aus der akkadischen hervorging.

[Zweites Buch.]
Der Occultismus der Meder und Perser.

[Erste Abteilung.]
Der medische Magismus.