Dr. E.: Wenn wir diesen Hauch unter das Mikroskop legen, so erkennen wir, daß er aus lauter ganz winzigen Kügelchen besteht, die man als „Sporen“ bezeichnet und die gleichsam die Früchte des Pilzes sind. Wenn ihr z. B. einen ausgewachsenen Champignon oder Pfefferling auf weißes Papier legt und schüttelt oder eine Zeitlang liegen laßt, so findet ihr später gerade so ein aus Kügelchen bestehendes Pulver, aus dem neue Pilze werden können. Sie fallen beim Champignon von den strahligen Fächern ab, die an der Unterseite des Hutes sitzen; beim Bovist aber, der bekanntlich so stark stäubt, wenn man darauf tritt, sitzen sie im Innern und gelangen erst durch ein Loch an der Spitze nach außen.

Kurt: Es wundert mich aber doch, wie so ein Pilz gerade in unsere Wohnung kommt, und dort die arme Fliege überfallen konnte.

Dr. E.: Das ist nicht so schwer zu verstehen, wenn man weiß, daß jene kleinen Sporen zu Milliarden in der Luft herumfliegen, und daß wir keinen Ort der Erde kennen, wo die Luft nicht solche Pilzkeime verschiedenster Art enthalten würde. Auch unsere Wohnungen sind reich genug daran, und ich bin überzeugt, daß wir aus unserem Hause mindestens ein Dutzend Pilzarten mit Leichtigkeit zusammenbringen könnten, ohne sie vorher gesäet zu haben.

Fritz: Ih, das möchte ich doch mal sehen, wo du die Pilze herzaubern willst.

Dr. E.: Schön, Fritz, den Beweis will ich dir bald liefern. Du mußt mir nur für jede Art ein paar Tage Zeit lassen, damit die Pilze sich so entwickeln können, daß man sie erkennt, oder besser, da ihr sie selbst doch meist nicht sehen werdet, bis wir an den Wirkungen auf ihr Vorhandensein schließen müssen. Ich beginne mit den vollkommensten Pilzen, die es gibt, mit den Hutpilzen. Ich will hoffen, daß wir keinen im Hause haben, möglich wäre es aber immerhin.

Fritz: Ja, ich weiß wohl, daß man Champignons im Keller züchten kann; in unserm aber wachsen gewiß keine.

Dr. E.: An den denke ich auch gar nicht. Es handelt sich um einen Hutpilz, der nur sehr selten einen Hut bildet, sondern meist als faserig-schwammige Masse auftritt, und dessen Erscheinen einem Hauswirt graue Haare machen kann.

Fritz: Ach, dann meinst du wohl den Hausschwamm[20], der die Stubendielen und Balken der Häuser zerstört?!

Dr. E.: Geraten, Fritz! Das wäre also schon Pilz Nr. 1, der unten im Holzwerk des Kellers sehr wohl bei uns hausen könnte. Aber wir wollen ihn lieber gar nicht mitrechnen und nur solche zählen, die sicher da sind.

Kurt: Da können wir ja als Nr. 1 den Schimmel nehmen.