Kurt: Danach eingerichtet sein? Ich denke, die kleinen Pilzkeime sind überall in der Luft, so daß man sie gar nicht abwehren kann.

Dr. E.: Das ist schon wahr. Aber die Bakterien haben ebensogut gewisse Bedingungen zum Leben und zum Wachsen nötig, wie andere Pflanzen. Hierzu gehört z. B. eine gewisse Wärme, und wenn ich daher in den Schiffen große Eiskammern einbaue und das Fleisch darin unterbringe, so kann ich sicher sein, daß die etwa vorhandenen Pilzkeime in dieser eisigen Temperatur sich nicht weiter entwickeln werden.

Fritz: Aber bei den Spargeln und dem andern Gemüse macht man es doch nicht so.

Dr. E.: Nein, da wendet man wieder eine andere Methode an. Ebensowenig wie in der Kälte können die Pilzkeime sich in übergroßer Hitze entwickeln. Ich kann sogar sicher sein, daß ich bei anhaltendem Kochen alle Pilze in einem Kochtopfe zerstöre. Wenn ich dann das darin befindliche Gemüse noch ganz heiß in gereinigte Gefäße bringe und schnell verschließe, so daß keine Luft wieder dazu kommen kann, so habe ich die Pilze ausgesperrt und darf nun hoffen, daß das Gemüse unverändert bleiben wird.

Fritz: Und gegen die Krankheitsbakterien ist man noch immer machtlos? Es wäre doch famos, wenn man die auch so kochen oder in Eis unschädlich machen könnte!

Dr. E.: Dann müßten wir schon die ganze Erde kochen oder in Eis setzen, da wir jene Krankheitserreger ja meist mit der Luft einatmen. Immerhin hat man auch hier ganz gewaltige Fortschritte in der Bekämpfung gemacht. Seitdem man weiß, daß das Eitern der Wunden und ebenso die Eitervergiftung[35] vornehmlich durch Pilze[36] bewirkt wird, sucht man auf alle mögliche Weise die Wunde vor diesen Feinden durch peinlichste Sauberkeit und pilztötende Mittel zu schützen. Wo Typhus, Diphtheritis oder eine ähnliche Krankheit im Hause war, werden Decke, Wände und Fußboden des Krankenzimmers gründlich mit chemischen Mitteln gereinigt oder, wie man sagt, desinfiziert. Den Lungenkranken wird empfohlen, nicht auf den Fußboden, sondern nur in Näpfchen mit Wasser zu spucken, da man weiß, daß besonders die aufgetrockneten und dann in der Luft umherfliegenden Keime so gefährlich sind. Unsere Aborte werden mit Karbolpulver, Lysol und ähnlichen Desinfektionsmitteln unschädlicher gemacht, und selbst den Pilzkolonien in unserm eigenen Munde gehen wir gründlicher als früher zu Leibe.

Kurt: Was meinst du denn damit, Vater?

Zahnpilz. Hefepilze

Dr. E.: Ich meine ganz einfach, daß es nicht genügt, mit Kreide oder Lindenkohle u. dgl. die Zähne zu putzen, und daß man jetzt eingesehen hat, es kommt nicht so sehr auf die Weiße der Zähne, wie auf ihre Befreiung von den unheilvollen Pilzen an.

Kurt: Aber wir haben doch nicht alle Pilze im Munde!